Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

06.09.09, Pfarrer Jens Burgschweiger

Köstlicher als Gold

“Was ist köstlicher als Gold?“, fragt Goethe, der Altmeister deutscher Dichtkunst.„Was ist köstlicher als Gold? Antwort: „Das Licht“.

Und was – so geht es im Stile einer Kinderfrage weiter – „was ist erquicklicher als das Licht? - Das Gespräch.“ Ehrlich gesagt: Nicht die Antworten sind es, die Frage ist es, die verdutzt. „Köstlicher als Gold“ - ja, gibt’s denn das? Wir haben es doch gerade erst wieder bei der Leichtathletik WM erlebt: Gold ist alles, Silber ist nichts. Die besten Nationen finden Beachtung, der Rest verpufft auf internationalen Newstickern. Was denn, kein Weltrekord? Langweilig! Kein Gold geholt? Wie mäßig!

Schwer nachvollziehbare 43 Weltrekorde wurden bei der Schwimm WM in Rom verbessert – ob das alleine an den Badeanzügen lag? Bei der Tour de France erklommen Athleten wie Alberto Cantador scheinbar mühelos die steilsten Alpenpässe und es ist uns noch gut im Gedächtnis, wie im Frühjahr die Deutsche Reiterequipe vom Dopingskandal erschüttert wurde.

Für's Gold scheint alles recht. Auch wenn's nicht rechtmäßig ist. So ist nun mal die Welt in der wir leben - es geht ums Gewinnen. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Es ist schön, wenn Athleten siegen, Anstrengung belohnt wird, jahrelanges Training Erfolge zeichnet. Wir alle haben nicht nur unsere Freude an Siegen, es macht uns auch mit Recht ein wenig stolz, wenn mal ein  Deutscher gewinnt. Sportler sind eben auch - wie es so schön heißt – „Botschafter ihres Landes“.

Aber Siegen, Gewinnen um jeden Preis? Um welchen Preis? Sport ist letztlich nur Abbild unserer Gesellschaft, und da gilt nicht erst seit der Finanz- und Wirtschaftskrise der Satz: „Nach dem Golde drängt, am Golde hängt doch alles.“ Womit wir wieder bei Goethe wären. Von ihm stammt auch dieses Wort, welches in den bedauernden Ausruf mündet: „Ach wir Armen!“ Das Problem also ist nicht neu. Die Notwendigkeit des Umdenkens aber aktueller denn je. Not tut nicht allein ein Umdenken im Sport. Not tut auch ein Umdenken in der Gesellschaft insgesamt.

„Was ist köstlicher als Gold?“ - fragt Goethe. Die Frage zu stellen, heißt schon zu bejahen, dass es etwas gibt, was mehr zählt, als Gold, Geld und Erfolge. Dass es das gibt, weiß jedes Kind, aber es geht darum, wie sehr diese anderen Werte letztlich unser Leben und Handeln bestimmen. Wenn Jesus sagt: „Wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein“, dann meinte er eben genau diesen Zusammenhang.

Ob wir mit Goethe das Licht und das Gespräch höher schätzen, ob es Werte wie Familie und Freundschaft sind oder etwas ganz anderes – wesentlich ist: Woran hängt unser Herz? Wovon lassen  wir unser Leben bestimmen? „Was ist köstlicher als Gold?“

Wenn Gold und Siegen um jeden Preis nicht das Entscheidende ist, rückt der sportliche Wettstreit wieder mehr in den Vordergrund. Und mit ihm Werte wie Fairness, Achtung und ein gutes Miteinander. Erstrebenswerte Ziele wie ich finde - in unserer Gesellschaft ebenso wie im Sport.

Audiobeitrag Köstlicher als Gold


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