Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

12.09.09, Pastor Stephan Kiepe-Fahrenholz

Herzliche Willkommen

Autor: “Der Fremdling, der in deinen Toren wohnt” – das ist schon in den Zehn Geboten eine Minderheit, der besondere Aufmerksamkeit gilt.

Und dass Menschen auf der Flucht besonderen Schutz benötigen, zieht sich wie ein roter Faden durch die Bibel. In Deutschland haben wir uns mit der Aufnahme von Verfolgten oft schwer getan. Das scheint nun anders zu werden. 10.000 Flüchtlinge aus dem Irak werden seit diesem Sommer in Europa aufgenommen, davon 2.500 in Deutschland und davon 500 in Nordrhein-Westfalen. Regina Scheuerer, Flüchtlingsberaterin bei der Diakonie, erzählt, was das für Menschen sind:

O-Ton: „Menschen mit besonderen Schwierigkeiten Angehörige verfolgter Minderheiten oder Menschen, die besondere medizinische Hilfe brauchen, die vor Ort nicht leistbar ist, oder Frauen oder allein stehende Frauen mit Kindern.“

Autor: Ihr Akten wurden bereits vor ihrer Einreise nach Deutschland vom Bundesamt geprüft, ebenso wie ihre Integrationsfähigkeit. In Deutschland angekommen, fahren sie zunächst in das Aufnahmelager Friedland bei Göttingen. Dort müssen sie sich einer Sicherheitsprüfung unterziehen, anschließend werden die Menschen in die aufnehmenden Städte überführt, meist zunächst in ein Übergangsheim.

O-Ton: „Von da aus fahre ich sie zur ARGE. Wir gucken, dass sie ihre Sozialleistungen bekommen. Anschließend fahren wir zur Ausländerbehörde, da bekommen sie einem Stempel in ihren Pass, dass sie drei Jahre die Aufenthaltserlaubnis bekommen. Dann fahren wir zum Wohnungsamt und so weiter und so weiter, alle Behörden werden angefahren, angegangen so dass innerhalb von einer Woche alles Formale geregelt ist.“

Autor: Professionelle Hilfe, damit der Alltag möglichst rasch klappt. Das ist gut. Damit die Iraker bei uns aber, wie es der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach gesagt hat, „eine langfristige neue Lebensperspektive“ gewinnen, ist mehr nötig als technische Unterstützung. Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet hat deshalb die Entwicklung einer „Willkommenskultur“ angemahnt. Eine Forderung von großer Tragweite, findet Regina Scheuerer:

O-Ton: „Es gibt dergleichen in Deutschland bisher sehr wenig. Und jetzt: eine Willkommenskultur, das ist was ganz anderes als wir bisher hatten: jemanden, der kommt, auch wenn's Flüchtlinge sind, auch wenn's Menschen sind, die erstmal Sozialleistungen beziehen werden, willkommen zu heißen und alles für sie vorbereitet zu haben. Das ist ein Paradigmenwechsel, und ich finde, es ist gut so.“

Autor: Gut auch deshalb, weil Menschen auf der Flucht in Deutschland oft genug als bloße Sozialschmarotzer abgetan werden – und keineswegs als „der Fremdling, der in deinen Toren wohnt“.

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