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Alltagsseelsorge
Sicherlich kennen Sie das, sie sind krank, haben Kalk in der Schulter, eine abgerissene Sehne, nen Bandscheibenvorfall,
einen Tumor oder was man ebenso hat im leicht fortgeschrittenen Alter und dann sind sie alle ganz schnell da, die sog. Experten. Der Nachbar, der morgens schon sagt: Wie siehst du denn aus
Was hast Du?. Oh, da kann ich dir aber wenig Hoffnung machen. Das wird nichts mehr, Meine Kollegin, die hatte das auch und bei der war das soundso und ist das heute immer noch, obwohl die hat wirklich alles gemacht hat, was man irgendwie machen kann
Sie stehen da wie versteinert, ihr Hals wird trocken, die Stimme versagt und sie versuchen irgendwie einen Abflug zu machen. Ohne unhöflich zu werden was natürlich total bescheuert ist, weil schließlich nervt er ja, der Nachbar. Dann hat man sich mühsam losgeeist und ist auf dem Weg zum Arzt. Der sagt: Was machen sie denn für Dinge
ganz so als hätte man sich nach gründlicher Überlegung für eine ganz bestimmte Krankheit entschieden, die nun doch nicht so toll ist, wie man zunächst gedacht hat, oder knapp gesagt, als sei man selber schuld.
In der Apotheke gibt es einen mitleidigen Blick und ein Päckchen Taschentücher gratis, falls man sich überhaupt traut, zu weinen, schließlich ist man ja selber schuld. Diese Vermutung aber hatte man ohnehin schon längst und quält sich nun endgültig mit Selbstvorwürfen: Wäre ich doch bloß eher zum Arzt gegangen, hätte weniger Überstunden gemacht, stattdessen Urlaub oder wenigstens Sport. Im Krankenhaus wird man dann zugelabbert vier Bettzimmer, na klar, da gibt es natürlich noch Geschichten, die viel schlimmer sind, so das man das sichere Gefühl hat, man solle sich nicht so anstellen. Endlich kommt der Arzt und blickt einen traurig an. Einem schwant Schlimmes, schließlich operieren hier auch nur Menschen und Theorien gibt es viele: ob in diesem Fall überhaupt und wenn ja, dann die Frage wie und schließlich was dann.
Schließlich kommt er ins Zimmer, springt zu einem ins Krankenbett, macht einen Purzelbaum und fragt: Kannst du das auch Mama. Ah, im Moment nicht, antwortet man verhalten. Man will ja nicht, dass das eigene Kind seinen Glauben an einen verliert.
aber wenn du wieder gesund bist, Mama, dann ganz bestimmt wieder. Man ist verdutzt und gerührt zugleich, es gibt sie also doch noch, die Hoffnung, wieder gesund zu werden. Kindermund tut Wahrheit kund, fällt einem dann ein. Ja, klar warum eigentlich nicht. Und dann trifft man einen Kollegen aus früheren Tagen, der strahlt einen an und sagt ganz unverblümt: Ach, Das ist nur innerlich, Du siehst immer noch so gut aus wie früher. Natürlich ist das gelogen, aber das Herz öffnet sich und so langsam kommt die Hoffnung wieder und der Glaube daran, dass doch noch alles gut wird. Zumindest halbwegs.
Tja, werden Sie sagen, dass kenne ich auch nur allzu gut. Diese 1000 und drei Leute die einen Nerven mit ihrem: Ich kenne da auch einen und bei dem war das so und so Und dann kommen die anderen ganz unverhofft - die kleinen Seelsorger, die einen aufmuntern, mit kleinen Bemerkungen. Die Freundin, der Partner, die Kinder, die Bäckerin, der Kollege. Und von denen kann es nie genug geben. Deshalb möchte auch ich zu ihnen gehören. Zu den kleinen Seelsorgern, die sich um die Seele der anderen kümmern, ganz en passant. Oft sind schon wenige Worte viel, viel mehr als wir ahnen können. Manchmal ist es einfach auch nur die Klappe halten, zuhören, nicht alles besser wissen. Manchmal ist es aber auch eine freundliche oder liebevolle Bemerkung. Ich nenne das Alltagsseelsorge und dazu hat Gott uns alle berufen.
Alltagsseelsorge
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