Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

10.09.09, Beate Raguse

Wundertüte

Dass Moritz immer ein bisschen anders ist als alle anderen, das kennen wir seit der Schulzeit. Mode fand er schon immer blöd.

Und so wundern wir uns, als er beim Klassentreffen aufläuft; mit Jeans und - einem violetten Hemd. Verwundert sind wir als wir die Speisekarten hin und her blättern und uns kaum zwischen allen den Gerichten entscheiden können. Moritz klappt die Karte nur auf und fordert Alex auf. „Sag mal eine Zahl zwischen 9 und 47“. „35“ „Hm“, sagt Moritz. „’Salat mit gebratenem Gemüse und Parmesan’’. Ich wollte mich sowieso gesünder ernähren.“ Und da ist es wieder: sein breites Grinsen. „Ah, essen nach Zahlen“, witzelt Tim.

Moritz sagt nichts. Nur als wir ihn alle fragend angucken, macht er den Mund auf. „Besser“, sagt er. „Wundertütenwoche. Hat meine Freundin mich von überzeugt. In einer Wundertütenwoche muss man einmal am Tag was machen, was man sonst nie macht. Eine CD von einer Band kaufen, die man nicht kennt. Oder eben ein neues Gericht ausprobieren. Ist ziemlich spannend. Schliesslich ist das ganze Leben ist wie eine riesige Wundertüte, die Gott uns schenkt. Und ich sage „klasse, danke!“, indem ich nicht immer nur dasselbe rausnehme, sondern mich von dem überraschen lasse, was drin steckt.“

Den Abend über fallen jedem von uns noch viel mehr Dinge eine, die wir sonst nie machen. Als wir uns für das nächste Klassentreffen verabreden, steht der Plan fest: Aus Moritz Woche machen wir ein ganzes Wundertütenjahr.

Sprecherin: Christiane Birgden

Audiobeitrag Wundertüte


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