Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

09.09.09, Beate Raguse

Rücksicht statt Regeln

Herzchen malen die Mädchen in der fünften Klasse ins Freundschaftsbuch. Es gibt sie auf der Kirmes zum Anbeißen, manchmal als Anhängern mit eingravierendem Namen um den Hals

oder auf der Karte zum Valentinstag. Und Herzchen –oder besser gut sichtbare Herzen- gibt es auf einem Verkehrsschild. Im  niedersächsischen Bohmte steht es im Zentrum und kennzeichnet einen Abschnitt der Hauptstraße. Ein Schild, auf dem nebeneinander ein Auto, ein Herz, ein Fahrrad, ein Herz, ein Fußgänger zu sehen sind. Darüber die Worte „Shared space“. „Shared space“ heißt; alle Verkehrteilnehmer teilen sich den Ortskern gleichberechtigt. Deshalb wurden hier sämtliche Verkehrsschilder und Ampeln entfernt, Bürgersteige und Straßen in der Höhe angeglichen.  Anstelle von Vorfahrt, Stopp, oder 30 gilt seit gut einem Jahr nur eine einzige Regel: rechts vor links. Und das Schild mit den Herzen.

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, heißt es in der Bibel. Manche finden das weltfremd. Bohmte zeigt, dass es eine ganz praktische Regel ist. Nimm Rücksicht auf den anderen, kann sie heißen. Oder: achte auf ihn. Manchmal reicht schon ein Blick, um sich zu verständigen.

Der Erfolg gibt „shared space“ recht, wo immer das Konzept eingesetzt wird, passieren deutlich weniger Unfälle als zuvor.

Sprecher: Michael Birgden

Audiobeitrag Rücksicht statt Regeln


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