Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

07.09.09, Claudia Maier

Patenschaft

Das Handy klingelt, Janick ist dran. „Wir wollen Felia taufen lassen“, sagt er, „und wir würden uns freuen, wenn du ihr Taufpate werden würdest.“

Ich stehe verdattert in der Kassenschlange, weiß nicht recht, was ich antworten soll. Ich sage erstmal, dass ich mich freue und auch, dass ich zurückrufe, sobald ich zu Hause bin. Auf dem  Heimweg frage ich mich, was das eigentlich bedeutet: Taufpate. Bevor ich Jan anrufe, frage ich Wikipedia.

Dort heißt es: „Paten sollen für den Täufling beten, ihm in Notlagen beistehen und ihm helfen, ein lebendiges Glied der Kirche Jesu Christi zu werden.“ Wie das dann im Alltag genau aussehen soll, verstehe ich dabei nicht so ganz.  Ich wähle Janicks Nummer: „Was soll ich denn dann eigentlich tun,“ frage ich. „Du sollst Felia zunächst mal bei der Taufe auf dem Arm halten und dann für sie dasein, wenn sie mal Fragen zum Glauben hat. Oder sich mit uns streitet.“ Dasein kann ich, denke ich, und sage ja. Dann erzählt mir Jan, wie sie auf mich gekommen sind. Seine Frau und er sind gerade Anfang 20, deshalb waren sie sich einig, dass sie einen älteren Paten wollten. Und auch jemanden, der sich für religiöse Themen interessiert.

Im Hintergrund höre ich Felia leise glucksen. Und ich merke, dass ich mich darauf freue, wenn sie mich einmal über Gott, die Welt und was ich glaube, ausquetschen wird. Am besten fange ich jetzt schon einmal an, mir gute Antworten zu überlegen.

Sprecher: Michael Birgden

Audiobeitrag Patenschaft


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