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wie auch wir vergeben unsern Schuldigern (vgl. Matthäus 6,9-12)
Autorin:
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Diese Worte beten wir in jedem Vaterunser.
Mal unbefangen gefragt: Wer sind eigentlich unsere Schuldiger?
Vielleicht die Frau, die mir gegenüber sitzt? Sie schüttet den Inhalt einer großen Schublade auf dem Tisch aus: einen Berg von Briefen, Rechnungen, Mahnungen, Bescheiden. Die meisten noch verschlossen. Am Ende habe ich alles, was kam, ungeöffnet hier rein geworfen, gesteht sie resigniert. Der Schuldenturm wurde zum Gefängnis für sie. Die Frau traut sich nicht zur Tür zu gehen, wenn es klingelt. In letzter Zeit hat sie immer öfter Panikattacken. Wie soll sie da bloß raus kommen?
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Unsere Schuldiger? Sind sie etwa schuldiger als schuldig? Gläubiger kenne ich, und die müssen nicht unbedingt gläubig sein, um ihren Namen zu verdienen. Schon gar nicht gläubiger als andere. Und Schuldner kenne ich, die armen Teufel, die dran glauben müssen wie jene Frau. Wenn sie betet Vergib uns unsere Schuld ja, wenn sie noch betet dann versteht sie das mit Sicherheit ganz materiell.
So ist die Bitte im Vaterunser auch formuliert, genau so handfest wie der Wunsch nach dem täglichen Brot. Erlass uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern Erlass gewähren können wir besser übersetzen. Das heißt: Keiner möge mehr zur Beute seiner Gläubiger werden, beten wir im Vaterunser. Das traf den Nerv vieler Zeitgenossen Jesu. In einer seiner Geschichten erzählt Jesus von einem Knecht, der seinem Herrn die Schulden nicht bezahlen kann:
Sprecher: Da ers nicht bezahlen konnte, befahl der Herr, ihn und seine Frau und seine Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und damit zu bezahlen. (Matthäus 18,25)
Autorin: Wo der Schuldner die Schulden nicht mehr tilgen kann, da fangen die Schulden an, den Schuldner zu tilgen. Wer die offene Rechnung nicht bezahlen kann, bezahlt eben mit seinem Leben. Schuldknechtschaft war Schicksal vieler Menschen zur Zeit Jesu. Überschuldung ist jedoch kein Problem von gestern. Kürzlich meldete die Verbraucherzentrale NRW, dass die Zahl der Menschen, die Hilfe bei der Schuldnerberatung suchten, sich in den letzten zehn Jahren vervierfacht habe. Drei Millionen Haushalte in Deutschland seien überschuldet.
Das erste Gebot des jüdisch-christlichen Glaubens beginnt mit den Worten: Ich bin der HERR, dein Gott, der dich aus Ägypten, aus der Knechtschaft, geführt hat. (2 Mose 20, 2) Unser Gott ist ein Gott, der uns befreit von dem, was uns knechtet. Es soll keine Verhältnisse mehr geben wie einst in Ägypten. Das heißt auch: Niemand soll lebenslang an seine Schulden gekettet bleiben. Gott erlöst aus der Schuldknechtschaft Aus diesem Glauben heraus hat es im Alten Testament etwas ganz Einmaliges gegeben:
Sprecher: Alle sieben Jahre sollst du ein Erlassjahr halten. (...) Wenn einer etwas geborgt hat, der solls ihm erlassen und solls nicht eintreiben (...). (5. Mose 15,1-2)
Autorin: Schuldenerlass soll mehr sein als eine schöne Tradition aus vergangenen Zeiten. Erlassjahr.de hat sich z.B. ein breites Bündnis von Menschen genannt. Sein Logo ist das Bild einer zerbrochenen Kette. Es setzt sich für einen Schuldenerlass der ärmsten Länder ein.
Könnte es solch ein Erlassjahr nicht auch für Menschen wie jene überschuldete Frau geben? Sie findet derweil Unterstützung beim Schuldnerberater des Diakonischen Werks. Es wird ein langer Weg über viele Jahre für die Frau, aber sie hat eine Chance, den Schuldenturm zu verlassen.
Denen, die sich in der Erlassjahrkampagne engagieren, den Mitarbeitenden in den Schuldnerberatungsstellen und nicht zuletzt den überschuldeten Familien gebührt Unterstützung! Damit nicht nur ein frommer Wunsch bleibt, was wir so oft beten: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wird vergeben unsern Schuldigern.
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern (vgl. Matthäus 6,9-12)
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