Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

28.08.09, Präses Nikolaus Schneider

Einander zuhören und miteinander reden

Mit welchen Menschen werden Sie im Laufe des heutigen Tages sprechen, liebe Hörerinnen und Hörer? Wie werden die Gespräche sein, auf welche freuen Sie sich,

welchen würden Sie lieber aus dem Wege gehen?

Das Bibelwort aus dem Losungsbuch der Herrnhuter Brüdergemeine für diesen Tag verspricht Orientierung für die Gespräche, die wir heute führen. „Herr, tu meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige“.

Wenn wir unsere Lippen auftun, sagen wir nicht immer Liebevolles und Wahres. Deshalb ist es am Beginn des Tages gut, Gott selbst darum zu bitten, unsere Lippen zu öffnen: Wir bitten Gott, dass unsere Gespräche mit unseren Mitmenschen gelingen und wir einander verstehen. Gott leite uns an zum Ausdruck zu bringen, was unsere Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner auch verstehen können. Das alles ist nicht selbstverständlich und nicht einfach. Gespräche, die Gemeinschaft stiften und vertiefen, sind eine Kunst.

Wenn uns diese Kunst gelingt, wenn wir einander im Gespräch verstehen, dann ist ein solches Gespräch auch ein Ruhm Gottes. Denn Gott hat uns Menschen nicht als „einsame Inseln“ geschaffen. Gott will, dass wir, in einer lebendigen Gemeinschaft mit IHM und miteinander leben. Eine lebendige Gemeinschaft aber braucht Worte, braucht Hören, Verstehen und Reden. Das gilt für unsere Gemeinschaft mit Gott, und das gilt für unsere Gemeinschaft mit anderen Menschen. Vertrauen und Liebe, Frieden und Gerechtigkeit in unseren Gemeinschaften können nur dann wachsen und bewahrt bleiben, wenn wir einander zuhören und miteinander reden! Dazu möge Gott unsere Lippen öffnen. Unser Reden zu IHM und zu unseren Mitmenschen wird dann ein Ruhm Gottes, unseres Schöpfers und Vaters, sein.

Von einem Meister des Gesprächs können wir lernen, wenn wir uns bemühen, das Losungswort dieses Tages für uns Realität werden zu lassen. Jesus Christus, der Sohn Gottes, hat uns gezeigt, wie unser Reden mit Gott und mit Menschen gelingen kann. Das hat der Evangelist Markus im 7. Kapitel seines Buches so überliefert: „Er – Jesus - hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend.“

Stummheit und Taubheit zwingen Menschen in eine Isolation, die ihre Lebensmöglichkeiten und ihr Lebensglück beschädigt. Sie leben in einer eigenen Welt, jeder und jede für sich. Gemeinschaft, die Voraussetzung für ein gelingendes Leben, ist ihnen nur eingeschränkt zugänglich. Alle Kontakte zu anderen Menschen stehen unter dem Vorbehalt einer ganz tiefen Unsicherheit darüber, ob sie verstehen und richtig verstanden werden. Jesus hat taube und stumme Menschen geheilt, hat Menschen neues Hören und neues Reden geschenkt und ermöglicht. Jesus hat aber auch jenseits von Krankheiten Kontaktunfähigkeit durchbrochen und soziale Ausgrenzung überwunden. Durch Jesus wurden Menschen wieder gemeinschaftsfähig, kamen wieder mit Gott und miteinander ins Gespräch. Dass Menschen in einer vertrauensvollen Gemeinschaft mit Gott und in einer liebevollen und gerechten Gemeinschaft miteinander leben, das war das Grundanliegen des Gottessohnes auf Erden. Deshalb wird von ihm gesagt: Er hat alles wohl gemacht!

Einen Tag mit guten Gesprächen wünsche ich Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer. Dass Sie hören und verstehen. Dass Sie reden und verstanden werden. Dass Ihre Gemeinschaft mit Gott und mit anderen Menschen lebendig bleibt. Das wäre ein einziges Rühmen Gottes. Einen gesegneten Tag Ihnen allen.

Audiobeitrag Einander zuhören und miteinander reden


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