Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

26.08.09, Präses Nikolaus Schneider

Behütet sein

Dass unser Leben ohne Brüche und frei von Gefahren verläuft, können nur unbedarfte Toren meinen, liebe Hörerinnen und Hörer. Sie und ich, wir wissen es besser.

Gefahren und Schicksalsschläge gehören zu unserem Leben hinzu, sie sind unvermeidlich. Auch dieser Tag mag für Sie und für mich manche Gefährdung oder gar einen Schicksalsschlag bereithalten. Für diesen Tag gilt aber auch das Losungswort der Herrnhuter Brüdergemeine aus Psalm 91, Vers 11: „Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen“. Ist das nicht eine wunderbare Verheißung: Wir sind niemals allein auf unseren Wegen. Immer und überall gibt es Engel, die ein Auge auf uns haben. Gottes Engel sollen uns behüten auf allen unseren Wegen. Welche Perspektive für diesen Tag!

Aber, so werden manche einwenden, ist das wirklich wahr?

Ich möchte Ihnen diese wunderbare Verheißung des Psalmbeters für diesen Tag weiter geben zusammen mit einem Bekenntnis: Ich habe das wirklich erlebt, dass diese Zusage gilt, dass Engel mich behüten, auch in den schlimmsten Stunden meines Lebens, als meine Tochter starb. Sie war erst 22 Jahre alt und starb an Leukämie. Zwei Jahre hatte sie und hatten wir um ihr Leben gekämpft, gehofft und gebetet. Und dann starb sie doch. Wo waren da die Engel, die sie und die uns behüten sollen?

Engelfiguren hatten wir unserer Tochter geschenkt, auf den Nachttisch gestellt, ihr in die Hand gelegt und ganz große auch in unserem Haus aufgestellt. Unsere Tochter wurde nicht gesund, sie starb. Aber waren wir, war sie unbehütet? Wir haben gespürt: Wir waren nicht allein in unseren bittersten Stunden. Das Sterben unserer Tochter war furchtbar für uns und für sie. Es war das Schrecklichste, was wir bisher erlebt haben. Aber „Gott-verlassen“ waren wir nicht - das haben Engel uns spüren lassen. Und bei allen offenen Fragen an Gottes Wegen mit uns in dieser Zeit: Wir sind ganz gewiss, unsere Tochter lebt behütet in der Gegenwart Gottes.
 
Wir hatten andere Wünsche und Hoffnungen, als wir die Engelfiguren für unsere Tochter aufstellten. Wir wünschten und hofften: unsere Tochter Meike wird wieder gesund, sie gewinnt den Kampf gegen die Leukämie. Aber so ist es nicht gekommen. Das „Behütet-werden“ für Meike und für uns sah anders aus.

Das ist wohl so bei den Verheißungen Gottes: wir Menschen haben nicht in der Hand, wie sie aussehen werden. Das bestimmt Gott allein.

„Behütet-werden“ kann Heilung von Krankheit, Bewahrung des Lebens in Gefahr und Errettung vor Verfolgung bedeuten. Auch so können Engel behüten. Als gerade geborenes Baby wurde Jesus vor dem Tod bewahrt. Auch der erwachsene Jesus hat die Begleitung der Engel erfahren. In seinem Weg ans Kreuz hielt sogar Gott selbst zu ihm und hat ihn durch den Tod hindurch gerettet. Die Leidensgeschichte Jesu hat unsere Tochter übrigens sehr getröstet, und uns auch – als Geschichte eines behüteten Leidens und Sterbens.

Was auch immer der Tag für Sie mit sich bringen wird, liebe Hörerinnen und Hörer: für diesen Tag gilt: „Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“

Audiobeitrag Behütet sein


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen