Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

24.08.09, Präses Nikolaus Schneider

Ein gesegneter Tag

Was erwarten Sie von diesem Tag, liebe Hörerinnen und Hörer? Wird er für Sie ein gesegneter Tag werden? Ein Tag, der Ihnen ganz neu die Gewissheit schenkt:

Gottes Gegenwart und Liebe begleiten mich, was immer mir an diesem Tag widerfahren wird! Die Herrnhuter Brüdergemeine stellt seit 279 Jahren jeden unserer Tage unter ein zufällig ausgelostes Bibelwort. Und viele Christenmenschen haben seither die Erfahrung gemacht: Dieses Wort der Heiligen Schrift schenkt uns Wegweisung und eröffnet eine  Perspektive des Segens auf die vor uns liegenden Stunden dieses Tages.  

Die Losung für heute ist ein Vers aus dem 41. Psalm: „Wohl dem, der sich des Schwachen annimmt! Den wird der Herr erretten zur bösen Zeit“.

Errettung durch Gott, den Herrn, zur bösen Zeit – eine trostreiche und ermutigende Zusage! Böse Zeiten: keiner und keine kann ihnen entgehen. Wir kennen sie alle. Wenn Krankheit das eigene Leben oder das Leben unserer Lieben bedroht und zerstört, dann ist böse Zeit. Wenn unsere Familien, unsere Freundschaften und unser Gottvertrauen zerbrechen, dann ist böse Zeit. Wenn die materiellen Sicherheiten unseres Lebens sich auflösen, dann ist böse Zeit. Krankheiten und Todeserfahrungen, Missverständnisse und Enttäuschungen, Streit und Trennungen, Verlust des Arbeitsplatzes und Gefangenschaft in der Schuldenfalle, solche Erfahrungen kennzeichnen die böse Zeit im  Leben von Menschen.

Allen, aber besonders denen, die heute unter böser Zeit leiden, möchte ich mit unserem Losungswort als Erstes sagen: Gott sieht und begleitet uns auch und gerade in unseren bösen Zeiten! Gott, der Herr, wendet sich uns zu. Gott will uns erretten zur bösen Zeit! Diese Gewissheit soll Ihren Tag bestimmen. Von dieser Gewissheit soll die Haltung bestimmt sein, mit der Sie in diesen Tag hineingehen. Denn was auch immer geschieht: Rettung ist Ihnen zugesagt. Gottes Rettung zeigt sich nicht in der Bewahrung vor Unglück, Unrecht, Krankheit und Tod. Gottes Rettung zeigt sich in der Gewissheit, dass Gottes Gegenwart und Liebe uns begleiten in allem, was uns widerfährt. Auch in unserem Sterben. Auch durch unseren Tod hindurch in Gottes ewiges Reich.

Mit dieser Gewissheit werden wir frei von der alleinigen Sorge um uns selbst. Wir werden frei für andere Menschen, die heute böse Zeiten erleben und unsere Hilfe brauchen. Wir können uns der Schwachen annehmen! Denn Gott, der Herr, wird uns erretten zur bösen Zeit! Retten und gerettet werden gehören für die Heilige Schrift zusammen. Gerettete sollen retten und Rettende werden gerettet.

In seiner Bergpredigt hat Jesus Christus uns diesen Zusammenhang unter dem Schlüsselwort „Barmherzigkeit“ verkündigt: „Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen“. (Mt 5) Barmherzig sind wir, wenn wir die Schwachheit unserer Mitmenschen mit unseren Herzen sehen und mit unseren Händen Abhilfe schaffen! Barmherzig sind wir, wenn wir uns durch Fühlen, Denken und Handeln der Schwachen annehmen. Selig, also von Gottes Gegenwart und Liebe begleitet, sind wir, wenn wir barmherzig sind! Dann werden auch wir Barmherzigkeit erlangen: Gott wird uns erretten zur bösen Zeit! Den Menschen, denen Sie an diesem Tag begegnen, kann nichts Besseres passieren. Und Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, auch nicht. Einen gesegneten Tag wünsche ich Ihnen.

Audiobeitrag Ein gesegneter Tag


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