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Wahrer Luxus
Im August zelte ich immer an meinem Lieblingssee. Aale mich am Strand, ärgere mich über die Mücken, das lauwarme Bier und bin richtig glücklich.
Dieses Jahr habe ich mir dort ein Luxuswochenende gegönnt in einem Wellnesshotel mit Schwimmbädern, Fitnessraum, zehn verschiedenen Saunen. Nach dem türkischen Dampfbad räkelte ich mich auf einer gepolsterten Liege, nippte an frischgespressten Ananassaft. Alle fünf Minuten kam ein Kellner: Haben Sie sonst noch einen Wunsch?
Um mich herum lagen vor allem Paare, die sich scheinbar mit dem süssen Leben besser auskannten. Eine Dame bestellte Latte Macchiatto. Der Kellner sagte entschuldigend, dass dies am Wasser nicht zu servieren wäre und sie sich ins Bistro bemühen müsse. Die Dame war entsetzt. Der Kellner entschuldigte sich erneut, seine Haltung war einer Verbeugung erstaunlich nah. Der Service hat wirklich nachgelassen, sagte die Dame zu ihrem Begleiter. Die Handtücher waren beim letzten Mal auch von bedeutend besserer Qualität, pflichtete er ihr bei. Und dann zählten sie auf, was ihnen alles fehlte.
Wellness soll ja eine Kombination aus Well-beeing -also Wohlbefinden und Happiness -also Glücklichsein sein. Ich hatte erwartet, dass ich in so einer schicken Anlage auch besonders zufrieden bin. Das sich Luxus gut anfühlt oder so. Da lag ich wohl falsch. Sehnsüchtig schielte ich zum Zeltplatz am See: Dorthin, wo die andern Menschen ohne nörgelnde Nachbarn im Sand lagen und lauwarmes Bier tranken.
Sprecher: Michael Birgden
Wahrer Luxus
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