Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

28.08.09, Pfarrer Dietmar Silbersiepe

Wir lassen die Moschee im Dorf

"Wir lassen die Kirche im Dorf - und die Moschee in Istanbul" – Plakatwerbung der Republikaner zur Kommunalwahl, auch bei uns in Düsseldorf, überwiegend im Stadtteil Rath.

Dort wird seit zwei Jahren darüber diskutiert, ob der von Muslimen beantragte Bau einer neuen Moschee von der Stadt genehmigt werden soll oder nicht. Natürlich nicht, sagen die Republikaner: Wir lassen die Kirche im Dorf - und die Moschee in Istanbul. Nach dem Motto: Moscheen haben im christlichen Abendland nichts zu suchen. Deutschland den Deutschen. Und den Deutschen die Kirche. - Wie bitte? Die Kirche nur den Deutschen? Und nur die Kirche den Deutschen? Keine Moscheen, keine Bahai-Zentren oder buddhistischen Tempel in Deutschland? Was ist das für eine Weltsicht? Keine Frage, sie ist fremdenfeindlich, nationalistisch, rechtsextrem.

Parteien dieser Gesinnung und Couleur sind für Christen nicht wählbar, hat die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland Anfang Juni vor der Europawahl unmissverständlich klargestellt. Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit sind mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar, denn sie „widersprechen der biblischen Botschaft von Gott dem Schöpfer aller Menschen“.

Darüber kann es unter Christen keine Diskussionen geben. Worüber selbstverständlich diskutiert werden muss, ist die Frage, ob der Bau einer Moschee an jedem Standort, der von Muslimen gewünscht wird, sinnvoll ist. Das Problem ist ja: Es gibt sie, die Vorbehalte und Befürchtungen gegenüber muslimischen Gemeinden und Moscheebauten in der Nachbarschaft.Die Sorgen von Anwohnern über fehlende Parkplätze oder die Furcht vor dem sinkenden Wert des eigenen Grundstücks. Das wissen die Republikaner. Und gehen damit auf Stimmenfang.

Wie man damit auch ganz anders umgehen kann, zeigt das Beispiel Duisburg, wo im vergangenen Oktober im Stadtteil Marxloh die größte Moschee Deutschlands eingeweiht wurde. Die Menschen in Marxloh haben sich vorher zusammengesetzt und miteinander geredet. Sie haben offen über Ängste und Vorurteile diskutiert. Bereits im Jahr 2002 wurde dazu ein Beirat gegründet. Ihm gehören neben Mitgliedern der Türkisch-Islamischen Union Vertreter der Stadt und der benachbarten katholischen und evangelischen Kirchengemeinden an. Alle Beteiligten sind sich dort einig: Zu einem friedlichen Zusammenleben gehört auch, dass man den Glauben des jeweils anderen achtet und allen, die wollen, die Möglichkeit gibt, ihn frei und würdevoll leben zu können.

Das gilt dann allerdings auch für die Türkei, wo christliche Gemeinden bis heute nicht rechtlich anerkannt sind, keine Bankkonten führen und ihren Theologennachwuchs nicht vor Ort im Land ausbilden dürfen.

Uns Demokraten und Christen in Deutschland entbindet das allerdings nicht davon, dafür zu sorgen, dass das Recht auf freie Religionsausübung hochgehalten und politisch geschützt wird. Christen, denen ihr Glaube wichtig ist, freuen sich über jede Kirche, die „im Dorf“ bleibt und nicht von Schließung bedroht ist. Genauso freuen sich Muslime über Gebetshäuser in ihrer Nachbarschaft. Und wenn die sich nicht in versteckten oder undurchsichtigen Hinterhöfen befinden, umso besser.

Und Jesus? Was würde er dazu sagen? Vermutlich dasselbe wie ein hochrangiges Mitglied der französischen Regierung, General Hubert Lyautey, als 1926 in Paris die erste Moschee eingeweiht wurde: „Warum sollten die Türme von Notre Dame traurig sein, weil nun ein weiterer Turm Gebete zum Himmel schickt?“

Audiobeitrag Wir lassen die Moschee im Dorf


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