Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

26.08.09, Antje Borchers

Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Manche strahlenden Geschichten beginnen wie eine graue Alltagsgeschichte. Morgens weiß man noch nichts davon und abends hat sich das ganze Leben verändert.

So auch bei Simon Petrus, einem der berühmten Jünger von Jesus. Seine strahlende Geschichte begann an einem grauen Morgen am See Genezareth.

Ich stelle mir vor, wie Simon Petrus bei einem Familientreffen seiner Enkelin davon erzählt: „Wir Fischer hatten mal wieder eine erfolglose Nacht hinter uns. Das ist zermürbend: schuften, schuften und am Ende hast du nichts in den Händen. Keinen einzigen Fisch gefangen, nichts zum Verkaufen, nicht einmal was zum Essen für die Familie. Na ja…Wir räumten also auf, wuschen die Netze, hingen unseren Gedanken nach und schwiegen. Und dann kamen sie. Leute über Leute, die sich um Jesus drängten und ihn Löcher in den Bauch fragten. Als Jesus am Ufer ankam, stieg er in mein Boot und sagte: ‚Fahr ein bisschen raus aufs Wasser, von dort können mich die Leute besser hören.’ – Gut, wenigstens eine sinnvolle Aufgabe heute.

Jesus sprach eine ganze Weile zu den Menschen am Ufer. Am Ende wandte er sich zu mir und sagte: ‚Fahre noch weiter raus aufs Wasser, dorthin, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!’“ Simon Petrus unterbricht sich und schaut in die Familienrunde: „Kein vernünftiger Mensch würde so etwas tun: am helllichten Tag fischen. Du kennst mich“, sagt er zu seiner Enkelin, „ein Duckmäuser bin ich nun wirklich nicht. Ich habe Jesus natürlich gesagt, ‚Meister, wir haben die ganze Nacht nichts gefangen’. Aber – du glaubst es vielleicht nicht – ich habe auch gesagt: ‚Ich mache es’. Ich habe Jesus vertraut, dieser Mann wusste, was er tat.

Und wirklich: Wir fingen Fische über Fische, die Netze rissen fast. Wir konnten es nicht glauben. Andererseits war ich nicht überrascht. Ich hatte ja schon die Zeichen und Wunder gesehen, die dieser Mann getan hatte. nun erlebte ich es am eigenen Leib.

Das ist noch etwas anderes, als es bei anderen zu sehen. Es haute mich um. Mir war klar: Jesus ist eine Nummer zu groß für mich. Ich fiel zu seinen Füßen und sagte zu Jesus: ‚Geh weg von mir, du und ich, wir passen nicht zusammen. Ich bin ein sündiger Mensch, du…’ ‚Fürchte dich nicht’, sagte Jesus. Ich wusste, das waren die Worte aus unseren Heiligen Schriften, das waren die Worte, mit denen sich der große Gott selbst den Menschen zugewandt hatte. Fürchte dich nicht, hatte er zu Mose gesagt, zu den Propheten, zum ganzen Volk Israel – und jetzt: Jesus zu mir: ‚Fürchte dich nicht, Simon, von nun an wirst du Menschen fischen. Komm mit mir!’

Und ich… ich ging mit. Ich war nicht verrückt, ich war noch nie so klar wie in dem Moment. Jesus, den ich weit weg von mir schicken wollte, der wollte ganz nah bei mir sein. Er wollte mich in seiner Nähe haben für eine der sinnvollsten Aufgaben, die ich mir denken konnte: Menschen aus dem Meer der Verzweiflung, der Unfreiheit rausfischen und nahe zu Gott bringen, Gott, der es gut mit uns meint.
Fischen, das war ja mein Thema, mein Lebensthema. Fischen, das konnte ich nun für Gott und für die Menschen einsetzen.
Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, der strahlende Anfang einer großen Liebe.“

Audiobeitrag Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen