Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

25.08.09, Antje Borchers

Die erste Begegnung

Haben Sie schon mal jemanden nach dem Beginn einer wunderbaren Freundschaft gefragt? Nach dem Anfang seiner großen Liebe? Bestimmt.

Was Menschen dann erzählen, sind herrliche Geschichten. Aber, wenn Sie danach fragen, dann kriegen Sie selten sofort den Kern der Geschichte zu hören.

Fragt man Simon Petrus, einen der Jünger von Jesus: Erzähl doch mal: Wie kam es dazu, dass du mit Jesus mitgegangen bist? –, dann muss man ein bisschen Zeit haben. Denn Simon Petrus erzählt gerne. Von den Umständen, von der Stimmung damals, vom größeren Zusammenhang. Ich stelle mir vor, wie bei einem Familientreffen seine Enkelin immer ungeduldiger wird. „Großvater“, unterbricht sie ihn, „nun komm doch zum Kern, wie kam es, dass du mit Jesus mitgegangen bist?“ Dann lächelt Simon Petrus seine Enkelin an und sagt: „Gleich. Aber du musst die Vorgeschichte kennen, sonst kannst du ja den Höhepunkt gar nicht verstehen. Sonst denkst du doch, dein alter Großvater war verrückt damals, als er alles stehen- und liegen ließ wegen dieses Mannes. – Ich weiß es noch wie heute, als ich ihn persönlich kennen lernte.

Kurz vorher hatte Jesus in der Nachbarstadt Nazareth gesagt: Ich bin der, den die Propheten angekündigt haben, der Bevollmächtigte Gottes, der Freiheit und Gnade von Gott bringt. Die Menschen in Nazareth wollten Jesus für diese Gotteslästerung umbringen. – Aber wir, wir haben das wirklich so erlebt: Er hatte Charisma. Und Vollmacht. Jesus machte Blinde sehend, Lahme gehend, Besessene frei. – Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wovon Menschen alles besessen sein können... Jesus befreite sie. Wir sahen Zeichen und Wunder und wir bekamen wieder Hoffnung, dass Gott sich um uns Menschen kümmert, dass alles gut wird.

Was Jesus tat, das tat er im Namen Gottes. Er behauptete: Gott will Freiheit. Gnade. Und alle, die etwas anderes von Gott verkündigen, die liegen falsch. – Natürlich haben sich die Leute in Nazareth darüber empört. Denn entweder man glaubte Jesus und lebte in seinen Überzeugungen. Oder… tja, oder man bekämpfte ihn. Aber den Anschlag in Nazareth überlebte Jesus, er wollte schließlich noch mehr von Gott erzählen.

Und es war faszinierend, was Jesus erzählte: dass Gott uns arme und einfache Leute wichtig findet. Wir mussten kein Geld vorweisen, mussten uns nicht perfekt mit den Heiligen Schriften auskennen und jedes I-Tüpfelchen befolgen, um Gott genehm zu sein. Mit Jesus kam Gott uns ganz nahe, einfach, weil wir Menschen zu Gott gehören. Das ist Gnade.

Eines Tages hatten deine Großmutter und ich Jesus kurzerhand zu uns nach Hause eingeladen. Wir hatten ihn in der Synagoge gehört und wir wollten ihn nun kennen lernen. Aber… deiner Urgroßmutter ging es zu der Zeit sehr schlecht. Sie lag bei uns zuhause mit hohem Fieber. Als Jesus das erfuhr, kümmerte er sich erst mal um sie: Er machte sie gesund. Eine kranke, ältere Frau, in einem Zimmer irgendwo im Haus. Um die kümmerte sich Jesus. Deutlicher konnte er nicht zeigen. Niemand ist für Gott unwichtig. – Das war der Gott, wie er schon in den alten Heiligen Schriften beschrieben war, einer, der sich um die Kleinen und Schwachen kümmert. – Anders als der, den unsere Oberen predigten.

Und dann kam der Tag, der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. – davon erzähle ich dir morgen.

Audiobeitrag Die erste Begegnung


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen