Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

15.08.09, Pfarrer Albrecht Philipps

Hochzeit

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! „Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden“. Dieser Satz wird bei der Trauung in der Kirche gesprochen.

Jesus hat ihn einmal gesagt. Auch heute, an diesem Samstag, läuten für viele Paare die Hochzeitsglocken und dann werden diese Worte in der Kirche gesprochen:„Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.“ Mann und Frau sind nun nicht mehr zwei, sondern sie sind eins. Eine Einheit, die zusammengehört.

Alle Paare, die sich trauen lassen, wünschen sich das ja. Dass sie eins werden, ohne sich selbst dabei zu verlieren. Sie möchten den Weg finden zwischen der Einheit mit dem Ehepartner und der eigenständigen Persönlichkeit. Und ich glaube auch, dass alle Paare, die sich trauen lassen, sich das wünschen: dass ihre Ehe von Dauer und Bestand ist. Dass das aber nicht immer gelingt, sondern dass viele Ehe auch wieder geschieden werden, das erfahren Menschen oft als ein Scheitern.

Der Satz Jesu ist aber wohl nicht als ein Scheidungsverbot zu verstehen. Es wird hier eigentlich überhaupt nichts verboten. Hier wird etwas geschützt. Hier wird die glückliche Einheit zweier Menschen geschützt, die sich versprochen haben, in guten und in bösen Tagen beieinander zu bleiben. Die, die sich versprochen haben, zusammen zu bleiben, sollen nicht auseinander gerissen werden, nicht durch die Umstände, in denen sie leben, und nicht durch andere Menschen.

Jesus bezieht sich dabei auf die Schöpfungsgeschichte. Nachdem Gott den Garten Eden gemacht hat und Adam darin geschaffen hat, erkennt Adam, wie einsam er ist. Adam, das heißt Mensch. Er ist weniger eine geschichtliche Figur, dieser Adam. Er steht für den Menschen schlechthin. Adam erkennt, wie hilflos er alleine ist. Gott sagt dann: „Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei. Ich will ihm ein Gegenüber, eine Hilfe, schaffen, die ihm entspricht.“ Gott versucht es dann zunächst mit den Tieren, die er schafft. Der Mensch darf ihnen ihre Namen geben, er darf sie benennen und bezeichnen, wie sie heißen sollen, aber eine echte Gefährtin war nicht dabei.

So lautet die traurige Zusammenfassung, nachdem Gott die Tiere schuf. Da versenkt Gott den Menschen in einen tiefen Schlaf, entnimmt ihm eine Rippe, schließt diese Stelle wieder mit Fleisch und schafft aus der Rippe das Gegenüber, das dem Menschen wirklich entspricht. Das ist ein Bild dafür, dass keine Frau und kein Mann es sich selbst verdient haben, wenn sie das Gegenüber gefunden haben, das zu ihnen passt. Es ist ein Bild dafür, dass Liebe ein Geschenk ist. Wenn auf einmal der Richtige da ist, dann ist das etwas, was Gott gemacht hat. Es ist wie in einem Traum: irgendwo und irgendwie wächst der Mensch, der von mir gefunden wird.

In der Schöpfungsgeschichte wird deutlich, wie Gott den Menschen ursprünglich gewollt hat. Nämlich in glücklicher gegenseitiger Ergänzung und in einer Einheit. Gott schenkt dem Menschen das, wonach er sich am meisten sehnt. Nämlich danach, verstanden zu werden und geliebt zu werden. Diese Einheit des Menschen mit seinem Gegenüber, seiner Gehilfin oder ihrem Gehilfen, diese Einheit möchte Jesus schützen und bewahren. Ich wünsche allen, die heute getraut werden, dass für sie diese menschliche und göttliche Einheit zu einer Wirklichkeit wird. Und ich wünsche ihnen, dass sie ihre Ehe als einen großen Segen empfinden. Und das wünsche ich auch all denen, die schon länger oder kürzer verheiratet sind.

Audiobeitrag Hochzeit


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