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Gott gab uns Atem, damit wir leben (eg 432)
Choral: 1. Strophe - Gott gab uns Atem, damit wir leben, er gab uns Augen, dass wir uns sehen. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit besteh`n.
Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.
Autorin: Die Geschichte eines Chorals kennen nur der Dichter und der Komponist, liebe Hörerinnen und Hörer. Und beide können interessante Geschichten erzählen. So schrieb Eckard Bücken den Text zu Gott gab uns Atem ursprünglich für den Kirchentag.
O-Ton, Eckard Bücken: Ich habe teilgenommen an einer Texter-, Autoren- und Komponistentagung, und da ist dieser Text dann entstanden im Blick auf den Kirchentag 1983 in Hannover. Und da ging es natürlich unter anderem um Bewahrung der Schöpfung. Und in dem Zusammenhang wollte ich einen Text machen, wo wir als Menschen, als Christen eben auch beteiligt sind an dem, was wir zu bewahren hätten, an dieser Schöpfung.
Choral, 2.Strophe: Gott gab uns Ohren, damit wir hören. Er gab uns Worte, dass wir verstehn. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.
Autorin: Der Komponist Fritz Baltruweit schuf die Melodie zu dem Choral in einem ganz anderen Zusammenhang: nämlich im Rahmen eines Radiogottesdienstes.
O-Ton, Fritz Baltruweit: Ja, ich weiß noch, dass wir 1982 einen Rundfunkgottesdienst vorhatten auf der schönen Insel Spiekeroog. Und da spielte natürlich das Thema Schöpfung eine Rolle. Und dann kam Eckard Bücken mit diesem Liedertext, und da haben wir gesagt, Mensch das ist ja wunderbar, das passt wunderbar zu dem, was wir da vorhaben. Und dann habe ich mich hingesetzt und eine Melodie dazu überlegt.
Choral, 3. Strophe: Gott gab uns Hände, damit wir handeln. Er gab uns Füße, dass wir fest stehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn.
Autorin: Gott gab uns Atem war geboren. Als sogenanntes neues geistliches Lied ist es fester Bestandteil unseres evangelischen Gesangbuches. Zu vielen unterschiedlichen Anlässen wird es gesungen. Doch etwas Besonderes ist und bleibt für Fritz Baltruweit das allererste Mal:
O-Ton Fritz Baltruweit: Es war eine wunderschöne Atmosphäre. In den Pausen war man am Strand. Es war so ein ganz besonderes Gefühl auch für das Schöne der Schöpfung da. Und das zog sich auch durch diesen Gottesdienst und in diesem Rahmen haben wir dann dieses Lied zum ersten Mal gesungen. Und das war natürlich für mich auch spannend, wie schlägt das ein, beziehungsweise, wie singen die Leute mit. Und war dann natürlich ganz froh, als die ganze Kirche dann in dieses Lied einstimmte. Und war schon ein tolles Gefühl.
Choral, 1. Strophe: Gott gab uns Atem, damit wir leben, er gab uns Augen, dass wir uns sehen. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit besteh`n. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.
Autorin: Gott gab uns Atem, Augen, Ohren und Hände. Und diese Erde, dass wir sie bebauen und bewahren. Das Thema Schöpfung spielt eine zentrale Rolle in dem Lied. Darüber hinaus betont Eckhard Bücken noch einen anderen Aspekt:
O-Ton Eckard Bücken: Ihr seid Christi Hände, das wollte ich mal ein bisschen anders umsetzen. Es gibt ja viele Lieder, die eben mit irgendwelchen Teilen von Gott zu tun haben, irgendwelche Beine, Arme, Hände usw. Und ich habe das eben versucht anders zu formulieren.
Choral, 2. Strophe: Gott gab uns Ohren, damit wir hören. Er gab uns Worte, dass wir verstehn. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.
Autorin: Ein Klang an meinem Ohr, so bist du, Gott: gegenwärtig, nicht greifbar, nicht fassbar, sagt der Benediktinerpater Anselm Grün. Doch in meiner Seele bleibt die Erinnerung an den Klang, der mich verzaubert hat. Klänge und Töne berühren nicht nur die Seele, sie tragen auch den Lied-Text. Aber wie findet ein Komponist die richtigen Töne, die passende Melodie?
O-Ton Fritz Baltruweit: Es ist ja immer so eine Frage, also wie vertont man so ein Lied und mir war bei diesem Lied besonders wichtig, dass die Atmosphäre des Textes in der Melodie rüber kommt und dass es eben eine positive Ausstrahlung entfaltet und dass die Sinne noch einmal besonders geöffnet werden.
Choral: Vorspiel
O-Ton Eckard Bücken: Atem hängt natürlich mit Leben zusammen und Ohren mit Hören und Hände mit Handeln. Und das war eigentlich das Ziel, ich wollte auf dieses Handeln hinaus, um dann eben in der dritten Strophe auch sagen zu können: Gott will mit uns die Erde verwandeln und nicht einfach so, als ob das alles über uns rein bricht und wir gar nichts tun könnten, das war mein Hauptanliegen.
Autorin: Doch damit machte sich Eckhard Bücken nicht nur Freunde.
O-Ton Eckard Bücken: Deswegen habe ich aber auch Prügel bekommen. Insofern, weil bei der Liedauswahl fürs Gesangbuch mich dann ein Oberkirchenrat aus der Kommission anrief und sagte, also: Kann man das nicht anders machen? Denn dieses Handeln, das war vielleicht ihm theologisch doch ein bisschen zu gewaltig - ich weiß es nicht - deshalb schlug er vor: Gott gab uns Hände damit wir teilen, aber das passte mir eben gar nicht.
Choral, 3.Strophe: Gott gab uns Hände, damit wir handeln. Er gab uns Füße, dass wir fest stehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn. Gott will mir uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn.
Autorin: Liederschreiben ist immer auch ein schöpferischer Akt zwischen Dichter und Komponist. Die Erschaffung eines geistlichen Liedes bedeutet daher für Fritz Baltruweit mehr als nur eine musikalische Umsetzung eines Textes.
O-Ton Fritz Baltruweit: Da kommen ja die Ideen und Energien von zwei Menschen zusammen. Und sowohl natürlich das Textschreiben als auch das Melodieschreiben ist ja ein schöpferisches Geschehen und wenn das dann auch noch zusammen klingt, zwischen Texter und Musiker, dann ist das natürlich etwas besonders Schönes, weil sich da auch dann zwei Energien zu einem Werk miteinander verbinden.
Choral, 1. und 2. Strophe: Gott gab uns Atem, damit wir leben, er gab uns Augen, dass wir uns sehen. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit besteh`n. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn. Gott gab uns Ohren, damit wir hören. Er gab uns Worte, dass wir verstehn. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.
O-Ton Fritz Baltruweit: (
) man konnte überhaupt noch nicht sagen, wie entwickelt sich das Lied.
O-Ton Eckard Bücken: (
) das ist ja inzwischen schon ein Kirchenschlager!
Choral: Er schuf sie gut, er schuf sie schön! Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön!
Musikinformation: Es sang der Chor des Instituts für Kirchenmusik Mainz unter der Leitung von Mechthild Bitsch-Molitor.
Gott gab uns Atem, damit wir leben (eg 432)
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