Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

13.08.09, Pfarrer Albrecht Philipps

Berliner Mauer

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! Am 13. August 1961 wurde in Berlin die Mauer errichtet. Das war heute vor 48 Jahren. Eine Mauer mitten im Herzen einer Stadt.

Sie trennte Straßen, Stadtteile; sie trennte Familien und Freunde. Sie war das Symbol für die Teilung Europas in Ost und West. Als Kind und Jugendlicher bin ich in Berlin gewesen, habe an der Mauer gestanden und gedacht: Wie lange wird die wohl so stehen? Werde ich das erleben, dass ich einfach dort in den Osten der Stadt gehen kann, dass die Mauer weg ist? Heute danke ich Gott dafür, dass diese Trennung im Jahr 1989 überwunden wurde.

Bis diese Teilung aufgehoben wurde sind viele Menschen an der Berliner Mauer gestorben. Als so genannte „Grenzverletzer“. Weit über 100.000 Bürger der DDR versuchten über die innerdeutsche Grenze oder über die Berliner Mauer zu fliehen. Mehrere Hundert von ihnen wurden von Grenzsoldaten der DDR erschossen oder starben bei Fluchtversuchen. Sie ertranken in Gewässern, erlitten tödliche Unfälle oder begingen Selbstmord bei ihrer Entdeckung. Menschen, die in Freiheit leben wollten und dafür ihr Leben riskiert haben und ihr Leben verloren haben. Bis 1989 ließ die Regierung der DDR gezielt auf Menschen schießen. Wie viele genau dort umkamen, weiß man bis heute nicht. Die meisten waren junge Männer, die zwischen sechzehn und dreißig Jahre alt waren.

Seit einigen Jahren finden gibt es regelmäßige Andachten in der Kapelle der Versöhnung in der Bernauer Straße in Berlin statt. Die Berliner Versöhnungsgemeinde verantwortet diese Andachten. Die Todesopfer an der Berliner Mauer sollen nicht vergessen werden, das ist ihr Ziel. Die Biografie jeweils eines Menschen, der an der Berliner Mauer umkam, steht im Mittelpunkt. Es ist gut, dass es diese Form der Erinnerung gibt. Dass vor Gott gebracht wird, was an Unrecht und Gewalt dort geschehen ist. Ein Name, der genannt wird, er steht für viele und ist doch unverwechselbar ist.

Ich erinnere heute, am Tag des Mauerbaus, an Chris Gueffroy. Er ist das vorletzte Opfer der unmenschlichen Trennung Berlins.

Chris Gueffroy war 20 Jahre alt als er die Flucht versuchte. Sein großer Traum war es zu reisen, Amerika sehen. Frei sein. Er stand kurz vor seiner Einberufung zum Militärdienst in der NVA. In der Nacht vom 5. auf den 6. Februar 1989 wollte er zusammen mit seinem Freund Christian Gaudian durch den Britzer Verbindungskanal von Treptow in Ost-Berlin nach Neukölln in West-Berlin gelangen. Er hatte gehört, dass der Schießbefehl ausgesetzt worden sei, was sich als ein tragischer Irrtum erwies. Vor dem Überwinden des letzten Metallgitterzauns wurden die beiden von den Grenztruppen der DDR entdeckt und unter Beschuss genommen. Chris Gueffroy wurde von zehn Kugeln getroffen. Eine Kugel traf ihn in die Brust. Er starb noch im Grenzstreifen. Sein Freund Christian Gaudian wurde schwer verletzt und festgenommen.

Es ist eine Tragödie, dass Menschen wie Chris Gueffroy an der Mauer ums Leben kamen. Heute denken wir an die Opfer und auch an ihre Familie. Sie nicht zu vergessen ist unsere Aufgabe.

Heute denke ich an die Opfer, die an der Berliner Mauer gestorben sind. Ich bete für sie und für ihre Angehörigen. Ich bete für alle Opfer, die bis heute zu beklagen sind, die ihr Leben verloren haben, weil ihnen ein politisches System Freiheit und Würde vorenthalten hat, z. B. in Afrika, in China. Ihre Namen sind bei dir nicht vergessen. In Erinnerung an all diese Opfer: Gott, überwinde das Unrecht in der Welt. Amen.

Audiobeitrag Berliner Mauer


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