Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

12.08.09, Pfarrer Albrecht Philipps

Springen

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer!Bei uns im Freibad gibt es einen Sprungturm. Er ist fünf Meter hoch.

Wenn man unten davor steht, ist das nicht besonders hoch – aus der Sicht eines erwachsenen Menschen. Doch wenn man als Kind da zum ersten Mal hochsteigt, Stufe für Stufe, und dann da oben steht, dann ist das ganz schön hoch. Von da oben kann man über das ganz Freibad blicken und am kann über die Bäume hinweggucken. Eine grandiose Sicht. Wenn man dann den Blick nach unten richtet und in das Becken sieht, dann kommen noch einmal drei Meter Beckentiefe hinzu. Das macht zusammen acht Meter. Acht Meter in die Tiefe. Das ist ganz schön viel.

Haben Sie auch einmal als Kind einmal auf so einem Sprungturm im Schwimmbad gestanden? Erinnern Sie sich noch daran, was Ihnen da so durch Herz und Kopf ging? Soll ich jetzt da runterspringen? Schließlich sind vor mir schon viele gesprungen, die haben das doch auch geschafft. Soll ich besser umkehren? Die Stufen wieder runterklettern? Alle würden sehen, dass ich es nicht gepackt habe. Peinlich. „Spring endlich!“ rufen die anderen hinter mir, Es ist ganz einfach!“ Je länger ich warte, desto größer wird die Angst.

Diese Kindheitserfahrung, da oben auf einem Sprungturm zu stehen, runter zu gucken und Angst vor dem Sprung zu haben, hat mich tief geprägt. Sehr oft habe ich später als Erwachsene an sie gedacht. Sie wurde in mir lebendig, wenn etwas Schwieriges auf mich zukam. Dann ging es mir so wie damals auf dem Sprungturm. Um die Angst zu überwinden und zu besiegen brauche ich allen Mut und das Vertrauen, dass es klappen wird, dass es gut ausgehen wird. Vertrauen darauf, dass ich springen kann und mir nichts passieren wird. Dass andere das auch schon geschafft haben. Dass es eigentlich nicht so schwer ist. Mit dem Glauben an Gott ist es genau so. Im Hebräerbrief in der Bibel gibt es dazu eine schöne Beschreibung. Glauben, so heißt es dort, heißt Vertrauen.

Sprecherin: Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Durch diesen Glauben haben die Vorfahren Gottes Zeugnis empfangen. Durch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort geschaffen ist, so dass alles, was man sieht, aus dem Nichts geworden ist (Hebräerbrief 11, 1-3)

An Gott zu glauben, ist also wie das Wagnis zu springen. Dabei erfährt man, dass man gut unten ankommen kann, dass das Wasser trägt. Glauben heißt Vertrauen. Glauben heißt nicht, etwas für wahr halten, was andere bezweifeln. Nein, Glauben und Vertrauen meinen dasselbe. Wenn wir dieses Vertrauen auf Gott haben, dann wird dadurch schon wahr, worauf wir unser Vertrauen setzen.

Ich wünsche Ihnen für heute, dass Sie Vertrauen haben. Vertrauen zu den Menschen, mit denen Sie heute zusammenkommen. Vertrauen darauf, dass Sie in Gottes Händen gut aufgehoben sind und dass Ihnen alle Dinge zum Besten dienen.

Audiobeitrag Springen


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