Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

11.08.09, Pfarrer Joachim Gerhardt

35 Jahre "Über den Wolken"

Musik: Reinhard Mey: „Über den Wolken“ LC 00542 Autor: Wir feiern Geburtstag. 35 Jahre. So alt wird in diesen Tagen ein Lied, das mich seit meiner Jugend begleitet.

X-mal gecovert ist das Original immer noch ein Hit für die Seele:

Musik: Wind Nord/Ost, Startbahn null drei, bis hier her hör ich die Motoren. Wie ein Pfeil zieht sie vorbei und es dröhnt in meinen Ohren. 

Autor: „Über den Wolken“ – Das Lied war ein Dauerbrenner in der Jugendgruppe meiner Kirchengemeinde. Obwohl es mit Gott wenig zu tun. Wie der Autor auch, Reinhard Mey, der ein eher distanziertes Verhältnis zu Kirche und Glauben hat. Für mich steht „Über den Wolken“ aber für ein Lebensgefühl, das viel mit Glauben zu tun hat. Für Sehnsucht, für grenzenlose Freiheit. So wie ich sie damals in der Jugendgruppe genossen habe.Wir hockten mit der Klampfe in den Sommerferien am Lagerfeuer und hoben gemeinsam ab…

Musik: Über den Wolken, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein

Autor: Heute, 25 Jahre später, liebe ich das Lied immer noch, höre es aber anders. Bleibe stimmungsmäßig eher auf dem Rollfeld zurück – so wie das Mey ja auch besingt. Nicht wirklich traurig, aber mit mehr Lebenserfahrung etwas melancholischer:

Musik: Ich seh ihr noch lange nach, / seh sie die Wolken erklimmen

Autor:  Kein Lied zum Durchstarten und Abheben. Eher eines zum Innehalten. Auch zum Abschiednehmen. Doch das Leben geht hier, unten am Boden weiter. Es bleibt die Zuversicht: Kein Abschied muss für immer sein. Und irgendwo da draußen – sagen wir „Über den Wolken“ – gibt es etwas, wo all das, was uns hier schwer auf der Seele liegt, plötzlich nichtig ist und klein.

Musik: Dann ist alles still, ich geh, Regen durchdringt meine Jacke. Irgendjemand kocht Kaffee, in der Luftaussichtsbaracke

Autor: Ein Gefühl ist mir mit diesem Lied immer gleich geblieben: Der Himmel ist offen – über all den „Luftaufsichtsbaracken“ des Lebens. „Sorget euch nicht; seht die Vögel im Himmel“, sagt Jesus (Mt 6, 25+26), „sie säen nicht, sie ernten nicht und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“ Das ist für mich wie das biblische Echo auf Meys Ode an die Freiheit jenseits der Wolken. Gehe nicht auf in den Sorgen dieser Welt. Hebe Deinen Blick auf gen Himmel. Das schenkt Weite und Zuversicht, hier auf Erden zu bestehen. Und so singe ich gerne mit – heute, morgen und hoffentlich noch in 35 Jahren:

Musik: Über den Wolken, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. / Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man / blieben darunter verborgen und dann / würde, was uns groß und wichtig erscheint / plötzlich nichtig und klein.

Audiobeitrag 35 Jahre "Über den Wolken"


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