Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

10.08.09, Pfarrer Jönk Schnitzius

Neid

Kennen tun ihn alle. Haben will ihn keiner. Den Neid. Ein nicht wirklich schönes Gefühl.Jeder weiß, wie es sich anfühlt, neidisch zu sein: Mal mehr oder weniger.

Und jeder ist es von Zeit zu Zeit. Und gleichzeitig scheint es sich beim Neid um eines der am besten gehüteten Gefühle zu handeln, die Menschen haben, weil: Man redet nicht drüber, frau natürlich auch nicht. Und wenn, dann nur abstrakt und allgemein: wenn Begriffe wie z.B. „Neiddebatte“ fallen.

Denn wenn überhaupt über  Neid gesprochen wird, dann meistens nur über den  Neid der anderen. Und nicht über die eigenen Neidgefühle. Mir geht das nicht anders. Und ich glaube, das liegt an der Scham. Irgendwie scheint es doch wohl eher peinlich zu sein vor anderen und sich selbst Neid zuzugeben. Da er aber da ist, will er offensichtlich auch raus.  Und nicht selten gelingt ihm das auch, wobei er sich gerne tarnt.

Es wird ohne Ende gelästert,, den Beneideten wird Übles unterstellt oder man entfacht einfach einen Streit mit ihm, bei dem man sich auf der vermeintlich sicheren Seite wähnt. Neidisch sein kann man ja auf vieles, eines setzt er jedoch immer voraus: dass ich mich kleiner, ärmer, unattraktiver, unbegabter, benachteiligter fühle, als der, den ich beneide.

Die Wahrheit ist: an manchen Punkten fühlt Mann und Frau nicht nur so, sondern ihre  Wirklichkeit ist auch so. Zumindest im Moment. Es gibt Unterschiede. Nicht alle Menschen sind gleich groß, gleich reich, gleich attraktiv, gleich begabt. Das kann ich zwar ungerecht finden, hilft mir aber bei der Sache mit dem Neid nicht. Gleich sind alle Menschen in ihrer Würde – für Gott, und vor dem Gesetz. Also, bleibt Neid nicht aus? Sozusagen!

Im Umgang mit dem Neid hilft  - so bin ich überzeugt – nur eines: Ihn zuzugeben. Zu sagen: Das macht mich neidisch. Ohne Tarnung verliert der Neid die zerstörerische Seite seiner Kraft. Ich weiß. Einfach ist das natürlich immer noch nicht. Mir ist es auch immer wieder peinlich, meinen Neid zuzugeben, ihn mir selbst einzugestehen, wenn ich ihn empfinde. Nur: da komme ich nicht drum herum. Die zerstörerische Alternative heißt: Den Blick auf den Anderen zu heften und sich geringer zu fühlen. Und das will ich nicht. Ich bin bereit zu glauben, dass ich ein geliebter Mann Gottes bin.

Also schaue ich mich selbst an, diesen geliebten Mann Gottes und entdecke Dinge, die mir unangenehm sind. Wie zum Beispiel Neidgefühle. Und schaue nicht weg und entdecke manches, was mich mit Stolz erfüllt. Jede und jeden hat Gott einmalig begabt. Es lohnt sich, länger hinzuschauen – sich selbst anzuschauen. Kann passieren, dass sich bei diesen Entdeckungen der Neid verabschiedet. Bis zum nächsten Mal.

Audiobeitrag Neid


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