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"Herz und Herz vereint zusammen" (eg 251)
Herz und Herz vereint zusammen / sucht in Gottes Herzen Ruh.Lasset eure Liebesflammen / lodern auf den Heiland zu.
Er das Haupt, wir seine Glieder, / er das Licht und wir der Schein, er der Meister, wir die Brüder, / er ist unser, wir sind sein.
Autorin: So beschwingt und unbekümmert kommen Eure Worte daher, hochverehrter Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf. So heiter und leicht als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt: Herz und Herz vereint, umhüllt von lodernden Liebesflammen. Als gäbe es weder Missgunst noch Hass. Nicht einmal die kleinste Spur von Streit. Als wären die Menschen ein Herz und eine Seele. In Liebe vereint unter der Gnade Gottes. Es klingt zu schön, um wahr zu sein: die Menschen mit sich und der Welt versöhnt - wie friedlich spielende Kinder.
2. Strophe Kommt, ach kommt, ihr Gnadenkinder, / und erneuert euren Bund, schwöret unserm Überwinder / Lieb und Treu aus Herzensgrund; und wenn eurer Liebeskette / Festigkeit und Stärke fehlt, o so flehet um die Wette, / bis sie Jesus wieder stählt.
Autorin: Wie kommt Ihr nur auf so ein Lied, verehrter Graf von Zinzendorf? So weltfremd seid Ihr doch gar nicht. Ihr habt die Härte des Lebens kennen gelernt, wenn ich mir Euer Leben so anschaue:
Sprecher: Im Jahre 1700 wird Nikolaus Ludwig Graf und Herr von Zinzendorf und Pottendorf geboren. Erst ein paar Wochen alt, stirbt der Vater. Nach der Wiederheirat der Mutter, nimmt sich die Großmutter des Jungen an und bestimmt eine juristische Laufbahn. Obwohl sein Herz für den christlichen Glauben schlägt, wird Zinzendorf Jurist. Erst kurz vor dem Tod der Großmutter folgt er seiner Berufung, gründet die Herrnhuter Brüdergemeine, wird Pfarrer und Bischof. Doch auch als Gottesmann erleidet er manche Schicksalsschläge. Auf Missionsreisen nach Amerika, Afrika und Indien lassen Glaubensbrüder ihr Leben. Zinzendorf selbst wird aufgrund von Glaubensstreitigkeiten der Heimat verwiesen.
Autorin: All das erinnert wenig an ein liebevolles Miteinander und innigste Gemeinschaft. Und doch dichtet Ihr ein Lied von solcher Liebe und Treue.
3. Strophe: Legt es unter euch, ihr Glieder, / auf so treues Lieben an, daß ein jeder für die Brüder / auch das Leben lassen kann. So hat uns der Freund geliebet, / so vergoß er dort sein Blut; denkt doch, wie es ihn betrübet, / wenn ihr euch selbst Eintrag tut.
Sprecher: Legt es unter euch, ihr Glieder, auf so treues Lieben an, daß ein jeder für die Brüder auch das Leben lassen kann. So hat uns der Freund geliebet, so vergoß er dort sein Blut.
Autorin: Einer für alle? Ja! Aber noch lange nicht: alle für einen! Schaut Euch doch nur den Jüngerkreis an. Die engsten Freunde Jesu. Ihr müsst mir zustimmen, werter Graf, wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.
Judas verrät den Meister für lumpige 30 Silberstücke. Mehr war die Freundschaft nicht wert. Und das Schmerzlichste: das Zeichen des Verrats ist ein Kuss. Mit dem Kuss unter Brüdern gibt der Freund den Freund in die Hand der Feinde. Legt ihn mit aufs Kreuz. Und dann, nach der Festnahme Jesu ...? Wo sind die so genannten Freunde? Jetzt wos ernst wird. Wo Jesus wahre Freunde braucht. Freunde bis zum Tod. Hoch und heilig hatte Petrus versprochen: Auch wenn ich mit dir sterben müsste, ich werde dich nicht verleugnen. (Mk 14,31) Laut krähte der Hahn in dieser Nacht. Laut und schrill. In der Stunde der Wahrheit zerbrechen oft die Treueschwüre. Verstummt der hohe Lobgesang.
4. Strophe Halleluja, welche Höhen, / welche Tiefen reicher Gnad, daß wir dem ins Herze sehen, / der uns so geliebet hat; daß der Vater aller Geister, / der der Wunder Abgrund ist, daß du, unsichtbarer Meister, / uns so fühlbar nahe bist.
Sprecher: Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern. Sie hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. (Apg 2,44-47)
Autorin: So harmonisch wie bei den ersten Christen ging es nicht einmal in Eurer Brüdergemeine in Herrenhut zu. Hand aufs Herz. Man hört von Konflikten und Strafbriefen. Gar von angedrohten Peitschenhieben ist die Rede. Selbst Euren eigenen Sohn habt Ihr aus dem kirchlichen Amt gejagt. Heißt es.
Und nebenbei: wer war eigentlich Anna? Hieß Eure Gattin nicht Erdmuth-Dorothea? Keine Angst. Ich werfe nicht den ersten Stein, lieber Graf. Wen kümmern schon Gerüchte. In allen Gemeinden gibt es sie. Dabei wäre Eintracht vonnöten.
Zwischenmusik
Autorin: Wer seid Ihr, Bruder Zinzendorf? Ein Träumer, der jeglichen Blick für die Wirklichkeit verloren hat. Ein Idealist? Und somit ein bisschen spinnert und naiv. Oder seid Ihr Eurer Zeit weit voraus? Als ein Mann, der die Welt nicht sieht, wie sie ist. Sondern schon so, wie sie sein sollte.
Wer seid Ihr? Vielleicht ja alles zusammen. Ein frommer Christ eben, der sich von seinem Weg nicht abbringen lässt weder durch Streit noch Zank. Der sich nicht entmutigen lässt von Zwietracht und alltäglichen Querelen. Mir scheint, Euer Weg ist so einfach wie genial: Ihr seht die Welt durch die Liebe Gottes.
6. Strophe Liebe, hast du es geboten, / daß man Liebe üben soll, / o so mache doch die toten, / trägen Geister lebensvoll. / Zünde an die Liebesflamme, / daß ein jeder sehen kann: wir, die wir von einem Stamme, / stehen auch für einen Mann.
Autorin: Ihr habt ja Recht, Bruder Ludwig. Wir dürfen uns nicht von den trägen Geistern entmutigen lassen. Weder von ihnen noch von den täglichen Niederlagen. Und vom eigenen Scheitern schon gar nicht. Vielleicht können wir der Welt nur so trotzen: mit festem Glauben im Herzen und einem Lied auf den Lippen. Einem Lied, das der Wirklichkeit unbekümmert entgegen singt:
7. Strophe Laß uns so vereinigt werden, / wie du mit dem Vater bist, bis schon hier auf dieser Erden / kein getrenntes Glied mehr ist, und allein von deinem Brennen / nehme unser Licht den Schein; also wird die Welt erkennen, / daß wir deine Jünger sein.
Autorin: Euer Lied beschreibt nur einen schönen Traum, lieber Ludwig. Aber Träume können die Welt verändern!
Musikinformation: Es sang das Solistenensemble unter der Leitung von Gerhard Schnitter.
"Herz und Herz vereint zusammen" (eg 251)
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