Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

28.07.09, Pastor Christof Lenzen

Wellness für die Seele - das Lachen

Hat Jesus eigentlich gelacht? Eine dumme Frage, finden Sie?! Warum sollte er schließlich nicht? Und trotzdem: im Mittelalter war diese Frage durchaus umstritten.

In Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“ ist genau dieses Thema Grundlage eines Streitgesprächs zwischen dem grimmigen Jorge und dem fröhlichen Franziskaner William von Baskerville. Schon für die Kirchenväter war die Frage wichtig, ob Jesus gelacht haben könnte, denn mit dieser Frage suchte man eine Antwort darauf, ob Jesus wahrer Mensch oder wahrer Gott gewesen ist. Da man sich Gott nicht lachend vorstellen konnte, war das Lachen in Klöstern unüblich und galt als unchristliche Narretei. Aber es gab auch kräftige Gegenstimmen. Gott sei Dank!

Zwischendurch gefragt: Lachen Sie viel? Kinder jedenfalls lachen bis zu 450 Mal am Tag. Erwachsene nur noch 15 Mal. Lachen ist Wellness für die Seele - das ist unumstritten. Deswegen haben sich sogar Lachclubs gegründet, in denen Lachen eingeübt wird. Aber kommt dieses Lachen wirklich aus dem Herzen? Mir kommt das immer ziemlich verkrampft vor...

Zugegeben: Es gibt eben nicht immer etwas zu Lachen. Das Leben ist kein Ponyhof, wie ein lieber Freund von mir gerne seufzend bemerkt. Wohl wahr. Umso wichtiger ist es, dass auch Jesus gerne gelacht hat! Denn er sagt ja von sich: wer mich sieht, sieht meinen Vater! Gott selbst! Und da wir Menschen als seine Ebenbilder geschaffen sind, hat unser Gottesbild so weit reichende Konsequenzen auf unser Leben. Hat Jesus gelacht? Lacht Gott? Und müssen wir dauernd fröhlich sein?

Die Bibel weiß in ihrer Weisheit, dass "das Weinen seine Zeit hat und das Lachen" (Prediger 3). Es geht also nicht um ein permanentes Dauergrinsen. Eine Art christliches positives Denken. Das würde auch dem Leben nicht gerecht und machte eher krank! Aber ein Paulus kann mitten in der Gefangenschaft seinen Zuhörern schreiben: Freuet euch und noch einmal sage ich euch: Freuet euch! Und dann lesen wir von den rauschenden Festen und Mahlzeiten, die Jesus mit Außenseitern und Freunden gefeiert hat. Wer jüdische Feste schon einmal beobachtet hat, der weiss, wie bunt, sinnlich und überschwänglich in ihrer Freude diese sind!

Natürlich hat Jesus gelacht! Ich kann mir gut vorstellen, dass er mit seinen Jüngern Witze gerissen und sich den Bauch vor Lachen gehalten hat. Jesus war eben ganz Mensch. Und trotzdem der Sohn Gottes. Das kriegen wir nicht logisch zusammen und müssen es auch nicht - aber in diesem Geheimnis liegt der tiefste Grund der Freude: im Osterlachen. Dieses wurde im späten Mittelalter am Ostersonntag in der Kirche angestimmt. Weil der Tod besiegt ist, weil das Leben triumphiert. Und weil Jesus diesen Weg zuerst gegangen ist. Wenn das kein Grund zum Lachen ist! Manchmal mitten in schweren Zeiten.

Audiobeitrag Wellness für die Seele - das Lachen


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