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Gewissensfrage oder auch Wormser Reichstag
Als ich in Bochum an der Uni studierte, fiel mir eines Morgens ein handbeschriebenes Banner ins Auge: Heute, 12 Uhr, Senatssitzung. Es geht um die Tierversuche.
Bitte kommt!
Die Ansage hatte mich neugierig gemacht und weil ich für die Mittagspause noch keine Verabredung hatte, ging ich hin. Tatsächlich wurde in dieser Sitzung über die Zahl der für Forschungszwecke zu verarbeitenden Tiere verhandelt, v.a. Katzen und eben auch Primaten, die sog. Menschenaffen.
Der Vorsitzende der Ethikkommission war zugleich der Leiter der Forschungsabteilung. Eine junge Biologin versuchte ihre männlichen Kollegen noch an Härte zu überbieten, vielleicht um Stand in der männlich dominierten Forschungswelt zu erlangen.
Da stand ein junger Mann auf, stellte sich als Biologiestudent vor und stellte für sich den Antrag, in seinem Studium keine Tiere töten zu müssen. Er verwies auf die Alternativmöglichkeiten und die Praxis anderer Unis. Der Antrag wurde abgelehnt.
Die Sitzung war vorbei. Viel hatten wir nicht ausrichten können. Später in der Mensa sagte ich zu ihm: Dir ist klar, dass du an dieser Uni kein Examen bekommst. Ja, sagte er, das ist mir klar.
Ich hab diesen jungen Mann sehr bewundert, denn ich fragte mich, wie weit ich gehen würde, wenn es meinem eigenen Fortkommen schaden würde.
Sprecherin: Christiane Birgden
Gewissensfrage oder auch Wormser Reichstag
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