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Beim Namen nennen
Wenn man den Troll beim Namen nennt, dann platzt er das ist mein unangefochtenes Lieblingssprichwort. Es stammt aus Schweden.
Nicht, dass die skandinavischen Sagen von Trollen, Feen und Hexen irgendeine Rolle in meinem Leben spielen würden, aber bei diesem Sprichwort entsteht ein sehr überzeugendes Bild in meinem Kopf: Ich sehe dann im dichten dunklen Wald einen kleinen, knubbeligen Kerl vor mir mit riesiger Nase, dickem Bauch und viel zu großen Füssen. Sein Unwesen treibend kommt er bedrohlich auf mich zu. Doch wenn ich seinen Namen ausspreche so die schwedische Mythologie dann platzt er einfach. Verschwindet. Stellt keine Bedrohung mehr da. Ich kann ungehindert meiner Wege gehen.
Wenn man den Troll beim Namen nennt, dann platzt er das meint: Wenn ich Unangenehmes benenne und ausspreche, dann verliert es schon etwas von seiner Macht. In meinem Leben gibt es immer wieder Situationen, in denen mir unwohl und mulmig ist. Oft ist es die Angst, die mich dann sprachlos macht und lähmt. Die Angst, etwas nicht zu können, nicht zu genügen oder die Angst, das ein anstehender Konflikt ausbrechen könnte.
Dann helfe mir mit dem heiteren Sprichwort: Wenn man den Troll beim Namen nennt, dann platzt er. Ich spreche aus, was schwer ist und mich belastet. Spuck es aus, sage ich mir selber, dann wird es besser!
Unangenehmes aussprechen: Es war schon seit Wochen klar: meine Großmutter würde nicht wieder in ihre eigene Wohnung zurückkehren können. Alle wussten: nach dem zweiten Oberschenkelhalsbruch und mit 95 Jahren würde sie sich nicht mehr alleine versorgen können. Die Besuche bei meiner Großmutter im Krankenhaus waren schwierig, solange der Troll nicht beim Namen genannt war. Die Begegnung zwischen meiner Großmutter und uns Familienangehörigen war getrübt irgendwie unecht.
Endlich habe ich ihr dann die unangenehme Botschaft überbracht: Oma, du wirst nicht mehr in deiner eigenen Wohnung zurückkehren können. Du kannst nicht mehr alleine leben. Du bist zu schwach und brauchst Hilfe. Wir möchten dich aus dem Krankenhaus direkt in das Seniorenheim bringen, das du Dir für diesen Fall ausgesucht hast. Zuerst hat mich meine Großmutter sehr böse angesehen. Aber dann ist der Troll geplatzt. Meine Großmutter wurde ganz weich, und es wurde wieder nah zwischen uns Sie hat mir von ihren Ängsten erzählt und davon, wie es sich anfühlt alt zu werden. Ich habe ihr von unseren Sorgen erzählt, die uns zu der Entscheidung gebracht haben, sie nicht mehr alleine lassen zu wollen.
Wenn ich das Unangenehme, das mir Angst macht, beim Namen nenne, dann kann ich damit etwas anfangen. Kann mich dagegen auflehnen oder es als gegeben hinnehmen. Nur im Untergrund, nur im Unausgesprochenen kann es ungehindert seine Macht entfalten...
Manchmal gibt es aber auch keine Möglichkeit anderen Menschen zu sagen, was gesagt werden müss-te. Vielleicht, weil die Scham zu groß ist über das, was gesagt werden müsste. Vielleicht auch, weil keiner da ist, dem ich sagen könnte, worunter ich leide, was mit quält.
Dann bringe ich vor Gott, was ausgesprochen werden muss, damit es seine bedrückende Macht über mich verliert, die Angst beherrscht mich nicht mehr ich beherrsche die Angst. Die Sorgen verlieren ihre Macht, wenn ich sie vor Gott zur Sprache bringe, sie ihm vor die Füße wer-fe, auf seine Schulter lege. In der Bibel lese ich: all eure Sorgen werft auf Gott, denn ersorgt für euch. (1.Petr.5,7)
Beim Namen nennen
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