| |
Besserwisser
Das würde ich an deiner Stelle aber auf jeden Fall ganz anders machen. Damit tust du dir keinen Gefallen, sagt mein Nebenmann zu mir.
In seiner Stimme schwingt eine gewisse Arroganz mit. Ich atme tief aus und versuche ruhig zu bleiben. Wahrscheinlich kennen Sie das auch: Sie treffen auf Menschen, die glauben, sie wüssten besser, als wir selber, was gut für uns ist. Menschen, die meinen, unsere Gefühle besser zu kennen als wir selber. Die uns zum Beispiel zureden: Iß doch noch was, Du musst doch ganz hungrig sein obwohl wir pappsatt sind.
Oder Zieh Dir besser noch was drüber, Dir muss doch ganz kalt sein obwohl uns wohlig warm ist. Oder schlimmer noch: Die uns ungefragt abraten von unseren privaten oder beruflichen Plänen Das ist doch nichts für Dich. Das passt doch gar nicht zu Dir, sagen sie. Obwohl wir bereits alles sehr gut überlegt haben, alles mehrfach geprüft haben und uns vielleicht sogar mit anderen darüber beraten haben.
Es hat sie immer geben und es wird sie auch immer geben, die Menschen, die der Überzeugung sind, sie wüssten besser, als wir selber, was gut für uns ist. Menschen die sich ständig ungebeten in unser Leben einmischen und sich dort ungefragt breit machen. Und manchmal bin ich sogar selber ein solcher Mensch, muss ich ehrlich zugeben. Keine Ahnung, was mich dann reitet. Plötzlich dränge ich anderen meine Meinung auf und meine, ich wüsste besser als sie selber, was gut für sie ist.
Dabei gibt es für mich nur einen, dem ich das zutraue und von dem ich das glaube: Gott!! In einem Psalm ist dieses göttliche Wissen über mich und jeden anderen Menschen in ganz wunder-barer Weise beschrieben. Dort heißt es:
SPRECHER: HERR, Du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege. Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht alles wissest. Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz; prüfe mich und erfahre, wie ich's meine. Und siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege (Psalm 139, 1b-4+24)
Gott: Der Einzige, der mich wirklich besser kennt als ich selber. Der Einzige ,der mich sogar dann noch versteht, wenn ich mich selber nicht mehr verstehe. Mir wird ganz wohl bei dem Gedanken: Gott hat so viel Verständnis für mich und mein Leben. Er weiß wirklich im Tiefsten über mich Bescheid, was ich denke, was ich fühle, worunter ich leide, wo-nach ich mich sehne und darüber, was gut für mich ist und was nicht. Ich bin sicher: Dort, wo ich mir selber ein Rätsel bin, kennt Gott wunderbare Lösungen für mich.
Allerdings drängt Gott sich mit seinen Lösungen nicht so auf wie wir Menschen das zuweilen tun. Denn obwohl Gott der einzige ist, der besser als ich selber weiß, was gut für mich ist, mischt er sich nicht ungefragt in mein Leben ein. Er lässt mich meinen eigenen Weg gehen und meine persönlichen Erfahrungen machen, auch wenn sie manchmal schmerzhaft sind.
Ich lasse mir nämlich wahrscheinlich wie die meisten Menschen - nicht gerne in mein Leben rein-reden. Gott tut das nicht. Diese Freiheit schätze ich sehr und die Gewissheit: im Gebet kann ich mich jederzeit hilfesuchend an ihn wenden. An den einzigen, der mich besser kennt als ich mich selber.
Besserwisser
|