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Nein danke, wir sterben nicht
Die Karikatur zeigt eine Frau in einem einfachen Haushaltskittel. Sie öffnet gerade die Haustür einen spaltbreit, die Sicherheitskette noch vorgelegt.
Vor der Tür steht ein Skelett mit Sense: der Tod. Nein danke, wir sterben nicht, sagt die Frau und ist dabei dem Tod die Tür vor der Nase wieder zuzuschlagen.
Mir gefällt diese Zeichnung sehr. Einfach und klar macht sie deutlich, was zu unserem Leben wesentlich dazugehört: unser Leben hat ein Ende, und wir alle müssen sterben. Auch wenn wir das immer wieder gerne verdrängen. Ich hege große Sympathien für die Frau, die den Tod wie einen lästigen Vertreter mit dem Nein danke, wir sterben nicht abwimmelt. Ich mag sie deshalb so gerne, weil sie mir irgendwie zugesteht, was auch ich gerne und effektiv tue, nämlich zu verdrängen, dass auch ich werde sterben müssen. Und ich mag diese Frau auch deshalb so gerne, weil sie mich auf so freundliche, angenehme Weise daran erinnert, dass ich nicht ewig leben werde - ohne Schwere, ohne moralisch erhobenen Zeigefinger, der mich belehrt: Verdränge niemals, dass Du sterben musst!
Unsere Vorfahren hatten es in gewisser Hinsicht einfacher als wir heute. Sie kamen viel häufiger mit dem Tod in Kontakt. Er war schlicht gegenwärtiger und gehörte zum Alltag. Unsere Urgroßeltern wurden noch regelmäßig daran erinnert, dass der Tod zum Leben dazugehört. Bei der heutigen Lebenserwartungen aber und unserem Gesundheitssystem können wir gut und gerne zehn Jahre verleben ohne dass einer unserer Angehörigen oder Freunde verstirbt. Das macht es uns heute noch leichter, so zu tun als wenn der Tod immer nur die anderen betrifft.
Wir Menschen vergessen gerne, dass unser irdisches Leben endlich ist. Und das ist offenbar nicht erst eine Erscheinung der Neuzeit. Denn schon vor über 2000 Jahren bat der Verfasser eines Psalms:
SPRECHER: Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn´s hoch kommt, so sind´s achtzig Jahre, und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe, denn es fährt schnell dahin, als flögen wir davon. Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. Fülle uns frühe mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang.
Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. Mich an den eigenen, zukünftigen Tod erinnern zu lassen, macht mich tatsächlich klug: Wenn ich mir bewusst mache, dass ich sterben werde, dann sehe ich vieles in einem anderen Licht vieles bewerte ich ganz anders: So werden Dinge oder Ereignisse, über die ich mich normalerweise ärgere und aufrege, plötzlich ziemlich unwichtig. Nicht mehr der Rede wert. Mancher Streit ist dann so unnötig und nichtig, dass ich ihn nur schleunigst beenden kann und mich frage, wie es überhaupt dazu kommen konnte. Andererseits wird die Zeit, die ich mit den Menschen verbringen kann, die ich liebe, viel, viel kostbarer. Und ein Lebenstraum bekommt ein ganz anderes Gewicht denn, wenn ich ihn noch verwirklichen will, dann merke ich, sollte ich jetzt endlich einmal die Kurve kriegen, um ihn mir zu erfüllen.
Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen! Gott, darum bitte ich Dich, damit ich mein Leben wirklich wertschätze, es aus Deiner Hand als wunderbares Geschenk annehme und das tue, was das Leben lebenswert macht.
Nein danke, wir sterben nicht
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