Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

13.07.09, Pfarrerin Claudia Kiehn

So wahr mir Gott helfe

„So wahr mir Gott helfe!“ – diesen Satz hatte ich lange nicht mehr gehört. Aber kürzlich war mal wieder Gelegenheit dazu:

Jahr für Jahr werden junge Polizistinnen und Polizisten in ihrem ersten Ausbildungsjahr vereidigt. Im feierlichen Rahmen geloben sie, ihren zukünftigen Dienst gewissenhaft zu erfüllen. Eltern, Freunde und Verwandte sind dabei anwesend. Der Innenminister appelliert an die jungen Menschen und auch ein Kirchenvertreter kommt bei den Feierlichkeiten zu Wort.

Ein solcher Festakt anlässlich einer Vereidung ist ein Erlebnis! Wenn in diesem Jahr 1100 junge Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte gemeinsam die Eidesformel sagen. Ein hochrangiger Polizeibeamter sprach sie vor. 1100 wiederholten sie im Chor. Und das dann in einer Sportarena, wie der Lanxess-Arena in Köln. Dort war die Vereidigung nämlich. Stimmgewaltig hörten die Gäste der Veranstaltung nacheinander folgende Worte: "Ich schwöre, dass ich das mir übertragene Amt nach bestem Wissen und Können verwalten, Verfassung und Gesetze befolgen und verteidigen, meine Pflichten gewissen-haft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde.“

Und dann war ich gespannt. Ich wusste ja: die letzten Worte würden sein – „so wahr mir Gott helfe“. Das müssen die jungen Polizisten und Polizistinnen nicht mitsprechen. Dazu kann sie niemand zwingen. Und ich weiß von den jungen Studierenden der Polizei ja – große Aktien haben die nicht unbedingt in Sachen Glauben und Kirche. Also dachte mir: Das „So wahr mir Gott helfe“ wird dann wohl doch eher mickrig rauskommen. Falsch! Es kam ebenso laut wie die Worte davor. „So wahr mir Gott helfe!“. Dieses Bekenntnis und diese Bitte füllte am Schluss des Eides die Arena.

Das hat mich sehr berührt. Ich bin sicher, dass die jungen Polizistinnen und Polizisten gut daran tun, Gott um Hilfe zu bitten. Ohne ihn geht gar nichts! „An Gottes Segen ist alles gelegen“, so ist ein Psalm (Psalm 127) überschrieben. In ihm heißt es:

SPRECHER: Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst. Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset eurer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.

An Gottes Segen ist alles gelegen. Das gilt für jeden. Nicht nur für Polizisten. Wir alle können uns mühen und machen und tun. Letztlich haben wir es nicht in der Hand, ob es wirklich gut wird, ob wirklich gelingt, wofür wir uns da ins Zeug legen. Da muss noch etwas anderes dazukommen! Wir können uns nicht nur auf uns selbst verlassen. Das ist zu wenig!

Für Polizisten ist das vielleicht sogar besonders wichtig zu wissen. Polizisten übernehmen schließlich eine besonders große Verantwortung in unserer Gesellschaft. Sie kommen in ihrem Dienst häufig in Kontakt mit schwierigen Situationen, mit Not, Elend, Gewalt und dem Tod. Manchmal sind sie sogar gezwungen, in die Grundrechte anderer Menschen einzugreifen. Die Polizei hat daher besondere Rechte, Pflichten und Belastungen - mehr als die meisten von uns. Damit Polizistinnen und Polizisten dem von ihnen geschworenen Eid gerecht werden können, brau-chen sie Gottes Hilfe. Und nicht nur die.

Auch wir brauchen Gottes Begleitung in unserem Leben. Auch wir sind auf seinen Beistand an-gewiesen in allem was wir tun und lassen.

Und darum sage ich für uns alle und heute besonders für unsere Polizistinnen und Polizisten: „Gott möge Euch wahrlich helfen.“ Amen

Audiobeitrag So wahr mir Gott helfe


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