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"Morgenglanz der Ewigkeit" (eg 450)
Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach:
Es werde Licht! Und es ward Licht. (Gen 1,1-3)
Choral: Morgenglanz der Ewigkeit, / Licht vom unerschöpften Lichte, / schick uns diese Morgenzeit / deine Strahlen zu Gesichte / und vertreib durch deine Macht / unsre Nacht
Dunkelheit über der Schöpfung. Behutsam erwacht der Morgen aus seinem Schlaf. Mit jedem Atemzug verliert das Dunkel an Schrecken; weichen die finsteren Schatten. Die Strahlen des Lichts bahnen sich unaufhaltsam ihren Weg. Langsam nimmt die Welt Konturen an. Der Himmel im Osten leuchtet in zartem Rot. Morgendämmerung! Die Zeit scheint still zu stehen für einen Moment. Zwischen schlafen und wachen. Dann plötzlich mit aller Macht: Morgenglanz überflutet das Firmament, taucht es in tiefstes Rot. So wie Blut. Wie die Liebe. Das Leben. Für einen Moment berühren sie sich: Himmel und Erde. Nacht und Tag. Anfang und Ewigkeit.
Musik: Harfenbearbeitung zu Morgenglanz der Ewigkeit
Dieses morgendliche Schauspiel kurz vor Sonnenaufgang hat den Dichter Christian Knorr von Rosenroth zu seinem geistlichen Morgengesang inspiriert. Noch ganz versunken in den Zauber der Schöpfung, in dieses Wunder der Natur, ahnt der Dichter die Ewigkeit.
Sprecher: Morgenglanz der Ewigkeit, /Licht vom unerschöpften Lichte, / schick uns diese Morgenzeit / deine Strahlen zu Gesichte / und vertreib durch deine Macht / unsre Nacht.
Unerschöpftes, nie enden wollendes Licht. Du göttliches Licht, du strahlst uns an in deinem Glanz. Morgen für morgen. Wie am ersten Schöpfungstag. In deinem Morgenrot strahlt Gottes Herrlichkeit - und die Welt erwacht zum Leben. Wie der Morgen des Tages so willst du den Morgen unseres Lebens erwecken. Durch dich erwacht die Welt und mit ihr auch wir.
Choral: Deiner Güte Morgentau / Fall' auf unser matt Gewißen, / Laß die dürre Lebensau / Lauter süßen Trost genießen / Und erquick uns, deine Schar, / Immerdar!
Sprecher: Deiner Güte Morgentau / Fall' auf unser matt Gewißen, / Laß die dürre Lebensau / Lauter süßen Trost genießen / Und erquick uns, deine Schar, / Immerdar!
Die Strahlen des Morgens wecken auf. Öffnen die Augen, die sich öffnen lassen wollen.
Und unser Morgen? Gezeichnet von der Routine des Alltags. Bestimmt vom Takt der Termine. Kein Morgenglanz nur Neonlicht in unseren Augen. Das morgendliche Treiben überschattet den ganzen Tag. Schnell, schnell, jeder Handgriff muss sitzen. Morgens tickt die Uhr schneller. Fehlt Zeit für himmlisches Licht. Für den Klang der Ewigkeit. Dafür das Rasseln des Weckers, der uns schon vor dem Aufstehen träumen lässt vom Schlaf nach getaner Arbeit. Morgenstund hat Gold im Mund. Nur der frühe Vogel fängt den Wurm. Weiß der Volksmund und mahnt zum Schaffen von früh bis spät.
Unser geistlicher Morgengesang weiß nichts von alledem. Er singt nicht von Fleiß und Arbeit. Von Hektik und Stress. Sein Lied läßt eine andere Melodie erklingen. Sich einmal nur von der Morgenröte berühren lassen. Sich mit dem Morgentau den Schlaf aus den Augen waschen. Den Glanz des Morgens überstreifen wie ein strahlendes Kleid, das uns selber strahlen lässt
davon träumen und nicht nur träumen. Nicht nur mit dem Leib, sondern mit Herz und Seele erwachen und aufstehen. Endlich aufstehen, um das von Gott geschenkte Leben nicht länger im Alltagstrott zu verschlafen. Endlich auch auferstehen. Schon jetzt schon hier.
Choral: Gib, daß deiner Liebe Glut / unsre kalten Werke töte, und erweck uns Herz und Mut / bei entstandner Morgenröte, daß wir, eh wir gar vergehn, / recht aufstehn.
Endlich erwachen. Den Morgenglanz sehen und erkennen, Gott selbst strahlt mich mit Seinem Licht an und will mich wecken. Sich von Gott erleuchten lassen und ein neues Leben beginnen. Ein Leben ganz im Vertrauen auf den gnädigen Gott. Licht ist Sein Kleid, das Er trägt. Schön und prächtig geschmückt. Sicher hält Er mich in Seiner Hand und leuchtet mir mit Seinem Licht, wo ich auch immer sein mag. Selbst in tiefster Finsternis, wenn mein Leben dunkel, wüst und leer scheint.
Musik: Harfenbearbeitung zu Morgenglanz der Ewigkeit
Sprecher: Von allen Seiten umgibst Du mich, und hältst Deine Hand über mir. Führe ich gen Himmel, so bist Du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist Du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort Deine Hand mich führen und Deine Rechte mich halten. Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein -, so wäre auch Finsternis nicht finster bei Dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht bei Dir, mein Gott. (Ps 139,5.8-12)
Die Finsternis des Lebens mit ihren Gebrechen, ihrem Leid und der Vergänglichkeit, sie hat ihre Schrecken verloren. Finsternis ist wie das Licht durch die Macht des ewigen Lichtes. Der tägliche Morgenglanz und das Licht der Ewigkeit, sie sind eins. Vor aller Zeit geformt zu einem Körper aus Fleisch und Blut. Lebendig und einmalig nimmt es Gestalt an und lässt Herzen brennen:
Sprecher: Wir glauben an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott. (Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel 381)
So also vom Licht erleuchtet mit Leib und Seele, Haut und Haar, mit Herzen, Mund und Händen glauben an Jesus Christus, der von sich sagt:
Sprecher: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. (Joh 8,12)
Licht des Lebens, das uns anstrahlt morgen für morgen. Wenn Morgenrot den Himmel färbt, findet uns nicht nur das Licht des ersten Schöpfungstages. Das Licht der Ewigkeit scheint durch, das uns selbst an unserem letzten Tag leuchten wird. Keine Furcht bei diesem Gedanken. Kein Heulen und Zähne klappern zur letzten Stunde. Das unerschöpfte Licht, das war, das ist und das sein wird, es brennt, aber verbrennt nicht. Erlischt nicht mal im Tode.
Choral: Ach du Aufgang aus der Höh', / Gib, daß auch am Jüngsten Tage / UnseLeichmann aufersteh' / Und, entfernt von aller Plage, / Sich auf jener Freudenbahn / Freuen kann!
Sprecher: Ach du Aufgang aus der Höh', / Gib, daß auch am Jüngsten Tage / Unser Leichmann aufersteh' / Und, entfernt von aller Plage, / Sich auf jener Freudenbahn / Freuen kann!
Freude über Freude. Der erste und der letzte Tag brechen an. Nicht morgen. Nicht irgendwann. Heute. Heute schon im ewigen Licht. Auf dem Weg in das Land der ewigen Wonne. Dort, wo kein Platz ist für Finsternis, Tränen und Tod.
Musik: Harfenbearbeitung zu Morgenglanz der Ewigkeit
Wo unser Aufstehen sich wandelt zum Auferstehen. Zu einer Lust, die nie vergeht.
Musik: Harfenbearbeitung zu Morgenglanz der Ewigkeit
Sprecher: Leucht uns selbst in jene Welt, / Du verklärte Gnadensonne, / Führ uns durch das Tränenfeld / In das Land der ew'gen Wonne, / Wo die Lust, die uns erhöht, / Nie vergeht!
Musik: Harfenbearbeitung zu Morgenglanz der Ewigkeit
Sie hörten den Choral Morgenglanz der Ewigkeit, nach einem Text von Christian Knorr von Rosenroth. Es sangen die Kantorei an der Ruhr unter der Leitung von Reinhard Weiß und das Wilhelmshavener Lokalensemble.
"Morgenglanz der Ewigkeit" (eg 450)
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