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Singt, singt dem Herren neue Lieder (eg 286)
Singet dem Herrn ein neues Lied! Liebe Hörerinnen und Hörer, so lädt der 98. Psalm Juden und Christen zum Gesang.
Auch die Calvinisten folgen seit jeher diesem musikalischen Ruf.
Musik: Singt, singt dem Herren neue Lieder. / Er ist´s allein, der Wunder tut. Seht seine Rechte sieget wieder, / sein heilger Arm gibt Kraft und Mut. Wo sind nun alle unsre Leiden? / Der Herr schafft Ruh und Sicherheit. Er selber offenbart den Heiden / sein Recht und seine Herrlichkeit. (Strophe 1):
Sprecher: Sie werden nie ermessen können, wie lieblich es ist und wie ruhig das Gewissen wird, wenn man da weilt, wo Gottes Wort rein verkündigt und die Sakramente unverfälscht ausgeteilt werden; ebenso, wenn man die schönen Psalmen und Wundertaten des Herrn singen hört
Anfänglich konnte ich die Freudentränen nicht zurückhalten, wenn ich singen hörte. Sie würden keine Stimme vernehmen, die die andern übertönt. Jedermann hält ein Gesangbuch in seiner Hand. Männer wie Frauen, alle preisen den Herrn.
Autor: So schrieb ein wallonischer Student seinem Freund 1545 aus Straßburg. Das ist das Jahr, in dem auch die Melodie zu Psalm 98 dort entstand. Der Student hatte den Gottesdienst der französischen Flüchtlingsgemeinde besucht, und der Gemeindegesang hatte ihn zu Tränen gerührt. In dieser jungen reformierten Gemeinde wirkte einige Jahre zuvor Johannes Calvin. Calvin wurde am 10. Juli vor genau 500 Jahren in Nordfrankreich geboren. Dieser Reformator wollte wie Martin Luther die Kirche erneuern. Und beide wollten, dass die Gemeinde im Gottesdienst nicht in der Rolle der Zuschauerin bleibt. Also: Bibel und Predigt in der Landessprache! Und die ganze Gemeinde soll singen können.
1. Musik: Singt, singt dem Herren neue Lieder. / Er ist´s allein, der Wunder tut
(Anfang 1. Strophe)
Calvin fördert gezielt den Gemeindegesang biblischer Texte. Das sind vor allem die 150 Psalmen. In Straßburg nimmt er die Idee auf, die später in Genf vollendet wird. Den Erfolg bestätigt der wallonische Student. Die Gemeinde singt biblische Texte. Männer und Frauen singen nicht mehr nur der Klerus. Lieder der Gemeinde, das ist neu in der Kulturgeschichte. Schon bald werden sie auch mehrstimmig gesetzt und begleitet. 1564 hat Claude Goudimel seine vierstimmigen Tonsätze verfasst. Seine Sammlung findet weite Verbreitung und ist vermutlich das bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts am meisten gedruckte Musikwerk des Abendlandes. Unser Beispiel verwendet einen Satz, der 100 Jahre nach Goudimel geschrieben wurde. Von Johann Crüger, einem Freund Paul Gerhardts.
1. Musik: Wo sind nun alle unsre Leiden? / Der Herr schafft Ruh und Sicherheit. Er selber offenbart den Heiden / sein Recht und seine Herrlichkeit. (Ende 1. Strophe)
Autor: Die biblischen Psalmen spiegeln in Gebet und Lied die ganze Bandbreite menschlicher Erfahrungen und Gefühle. Die Straßburger und Genfer Kantoren schaffen dafür 127 Melodien. Bei aller Vielfalt gibt es einige Grundregeln. So dauert jede Zeile nur so lange, dass sie mit einem Atem zu singen ist. Am Anfang und am Ende der Melodiezeile steht eine halbe Note wie überhaupt nur in Viertel- und Halbnoten gesungen wird. Der Umfang einer Oktave wird eigentlich nie überschritten, am Ende der Zeile eine Atempause
Viele Menschen können die Psalmen nun gemeinsam singen notfalls unter freiem Himmel, wie es die verfolgten Protestanten in Frankreich, Hugenotten wurden sie genannt, manchmal tun mussten. Nach ihnen hieß das 1561 in Genf vollendete Werk auch Hugenottenpsalter oder Genfer Psalter.
Musik: (Instrumental)
Melodie und Text der gesungenen Psalmen können herb klingen. Es fehlt ihnen jede fromme Süße. Wuchtig und kraftvoll kommen sie manchmal daher und rufen zum Lob und machen Mut. Dann wieder berühren sie eine geängstete Seele, finden Zugang zum Herzen und trösten ein bedrängtes Gemüt. Die entstandenen Lieder folgen dem biblischen Text auf dem Fuß und legen ihn sehr zurückhaltend, aber doch seelsorgerlich aus.
Sprecherin:Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, / aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes. Jauchzet dem HERRN, alle Welt, / singet, rühmet und lobet!
Autor: Diese Verse von Psalm 98 wurden zu folgender Liedstrophe
Musik: (Instrumental)
Sprecherin: (2. Strophe) Der HERR gedenkt an sein Erbarmen / und seine Wahrheit stehet fest. Er trägt sein Volk auf seinen Armen / und hilft, wenn alles uns verlässt. Bald schaut der ganze Kreis der Erde, / wie unsers Gottes Huld erfreut. Gott will, dass sie ein Eden werde, / rühm, Erde, Gottes Herrlichkeit!
Autor: Diese Formulierungen gehen auf Matthias Jorissen zurück. Er ist nicht der Erste, der den französischen Text für deutsche Gemeinden zugänglich machte. Ein lutherischer Jurist in Königsberg, Ambrosius Lobwasser, schuf 1573 eine Fassung, die lange weite Verbreitung fand. Bis eben Matthias Jorissen, der aus dem Rheinland vertrieben und Prediger der deutschen Gemeinde in Den Haag geworden war, gut zweihundert Jahre später eine neue Fassung schuf. Sie ist in reformierten Kirchen z.T. noch in Gebrauch.
1. Musik: Frohlocket, jauchzet, rühmet alle, / erhebet ihn mit Lobgesang! Sein Lob tön im Posaunenschalle, / in Psalter- und in Harfenklang! Auf, alle Völker, jauchzt zusammen! / Gott macht, dass jeder jauchzen kann. Sein Ruhm, sein Lob muss euch entflammen. / Kommt, betet euren König an.(Strophe 3)
Sprecherin: Frohlocket, jauchzet, rühmet alle, / erhebet ihn mit Lobgesang! Sein Lob tön im Posaunenschalle, / in Psalter- und in Harfenklang! Auf, alle Völker, jauchzt zusammen! / Gott macht, dass jeder jauchzen kann. Sein Ruhm, sein Lob muss euch entflammen. / Kommt, betet euren König an.
Autor: Der Ruf zum Lob findet weiter Gehör. Auch in der Form des Genfer Psalters. Im Gemeindegesang, der längst alle Konfessionsgrenzen überwunden hat. Und im musikalischen Schaffen, das sich noch immer von den alten, kernigen Melodien anregen lässt. Auch ein anderer Jubilar dieses Jahres, der 300 Jahre nach Calvin geborene Felix Mendelssohn- Bartholdy, hat sich den Genfer Psalmen zugewandt. Zum Text von Ambrosius Lobwasser hat auch er den 98. Psalm bearbeitet:
2. Musik: Nun singt ein neues Lied dem Herrn, / Er hat getan groß Wunderwerk. Er hat gesiegt mit großen Ehr´n / Durch seines heilgen Armes Stärk, Sein Heil uns zu verstehen geb´n, / dass wir nicht sollen zweifeln dran. Und sein´ Gerechtigkeit daneb´n / Zu allen Völkern sehen la´n. (Strophe 1)
Es sang unter anderem die Kantorei der Christuskirche Detmold unter der Leitung von Alexander Wagner.
Singt, singt dem Herren neue Lieder (eg 286)
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