Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

03.07.09, Pfarrer Eko Alberts

Der lebendige Stein

Liebe Hörerinnen und Hörer! Von den Geschichten über Steine und was sie mit dem Glauben zu tun haben, heute die fünfte:

Man kann nicht drum herum reden: der wichtigste Baustein der Kirche ist Jesus Christus. Was für ein Stein das ist? Ein Edelstein? Nein. Obwohl die Bibel ihn doch kostbar und ausgesucht nennt. Aber er wird wie ein unnützer Stein auf der Baustelle weggeworfen. Auf den Abfall, draußen vor der Stadt. Ans Kreuz schlägt man ihn. Unbrauchbar, wir wollen ihn nicht! Ein untauglicher Stein, zu nichts nutze. Aussortiert auf dem Hügel Golgatha. Schädelstätte heißt dieser Ort, toter Knochen. Dort landet der Gottessohn, der in unser Leben kam, Mensch geworden ist. Aufgegeben und abgeschrieben, toter Stein.

Toter Stein? Nein! In Gottes Hand und Plan alles andere als das: Lebendiger Stein! Den von  Menschen, von der Welt Abgelehnten und Verworfenen hat Gott zur Hand genommen und zum Leben, zum Leben durch den Tod hindurch erweckt. Ihn hat er zum Grundstein unserer Lebenshoffnung gemacht. Wenn wir also mehr, auch etwas Anderes als nur Erfolg und Besitz wollen, dann  dürfen wir auf  ihn bauen. Wenn es uns um mehr geht als unseren eigenen Kopf durchsetzen und Macht haben, wenn wir auch so etwas wie Frieden für unsere Seele suchen, dann sollten wir ihn in unser Leben einbauen.

Wer Ruhe für sein Herz sucht, eine begründete Hoffnung gegen alle Trauer und allen Tod, eine Zuversicht gegen alles Zerstören und Töten, eine Geborgenheit trotz allen Unfriedens, kurz: wer schon ein Stückchen Himmel auf Erden sucht, kann das bei Jesus Christus finden.

Durch seine Auferstehung ist er der Grundstein unseres Daseins geworden. Seinetwegen ist hoffen, glauben, lieben nicht vergeblich. Kräfte eines neuen Lebens teilt er mit und in seiner Nähe wird es hell. Sind das nicht schöne Worte? Nur, wie kommt davon etwas zu mir? Komm einfach dazu! rät die Bibel. Geh hin zu diesem Grundstein Jesus Christus.

Zu Jesus Christus kommen - das klingt so einfach. Aber manchmal ist das, was einfach scheint, gerade das Schwere und erfordert viel Übung. Das ist wohl wahr. Jeder Fußballspieler kennt das: Tausendmal muss der Kopfball geübt werden, bis er im Spiel wie selbstverständlich ins Tor geht und gar nicht anders kann. Aber vorher fehlt immer wieder irgendetwas: Mal ist der Sprung zu früh, dann zu spät angesetzt, der Anlauf zu schwach oder zu heftig, die Stirn falsch geneigt, ein Gegner angerempelt...und, und, und…

Herzukommen zu Jesus Christus – Christenmenschen üben es tausendmal in den Andachten, Gebeten, im Nachdenken, im Meditieren. Auch im Gottesdienst  in der Kirche. Längst nicht immer gelingt es. Aber keine Panik! Und nichts erzwingen wollen! Das Training ist nicht vergeblich. Auf einmal passiert es und du weißt nicht einmal, wie es möglich war. Es gelingt dir und kann nicht mehr anders sein: Du siehst auf den einen Baustein, den Grund legenden Baustein und spürst, wie von Jesus Christus Kraft ausgeht und dich erreicht. Du gewinnst Kraft, wirst freier und gelöster. Deine Seele atmet Frieden ein und dein Herz lernt die Ruhe kennen. Mit anderen kannst du singen und klagen, eintreten für die Gerechtigkeit und glaubst nicht mehr an die Allmacht des Todes. Du findest dich selber wieder als ein Baustein in der weltweiten Kirche Jesu Christi – und das Gesicht dieser Kirche ist erkennbar geworden. An dir.

Audiobeitrag Der lebendige Stein


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen