Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

02.07.09, Pfarrer Eko Alberts

Image oder Gesicht?

Liebe Hörerinnen und Hörer! Wenn Zeitungsreportern nichts mehr einfällt, dann befragen sie die zufälligen Bürger in der Fußgängerzone.

„Was halten Sie eigentlich von der Kirche?“ könnten sie fragen. Oder ein bisschen vornehmer: „Welches Image hat die Kirche bei Ihnen?“ Na, und wenn sie zehn Leute gefragt haben, dann haben sie – wette ich -. zehn verschiedene Antworten. Würde mich nicht wundern. Aber auch nicht sonderlich stören. Das Image der Kirche ist mir sogar relativ egal. Wäre Kirche eine Modemarke, müsste ich anders denken. Dann müsste ich das Image mit PR-Aktionen polieren. Jeden Tag neu. Mit Wachs und Wolltuch wär´s nicht getan. Medial versiert und „very stylish“, Sympathieträger nutzend und Negativmerkmale versteckend müsste ich vorgehen. Und trotzdem wäre da immer die Angst im Nacken: Komme ich noch an? Wie sind die Quoten, die Verkaufszahlen, die Buchungen? Was macht die Konkurrenz? Wer kann für unser Image gefährlich werden?

Ach du liebe Güte! Das will ich mir doch nicht antun! Diesen kurzatmigen Tanz der Eitelkeiten lasse ich gerne aus. Bin ich zu gemütlich dafür? Soll die Kirche sich etwa wie ein Mauerblümchen verstecken, um danach wie eine Primel einzugehen?

Hätten manche vielleicht gerne. Will ich dagegen überhaupt nicht. Aber Image – das ist mir viel zu maskenhaft und mediengetrieben. Werbefassade. Ich will, dass die Kirche wirklich Gesicht zeigt: lebendig und atmend, vielleicht mit Falten und  doch leuchtend von Leben und mit ansteckendem Lächeln oder kernigem Protest.

Also frage ich: Kennen Sie Lebenszeichen der Kirche? Hat Kirche für Sie ein Gesicht, aus dem Leben strahlt? Auch hier wage ich wieder eine Wette: Fragt man zehn Menschen, dann wird man mindestens fünf Rückfragen und fünf Mal ein Achselzucken zur Antwort bekommen. Kirche – Leben? Kirche – ein Gesicht? Kirche zeigt Lebendigkeit?

Für mich, liebe Hörer/innen,  zeigt Kirche ihr lebendes Gesicht, wenn man sich ihre Bausteine anschaut. Und damit meine ich nicht die steinernen Gebäude, nicht die Mausoleen alter Frömmigkeit und Zeugen der Kultur. Ich meine auch nicht diesen oder jenen buntbetuchten oder theologisch versierten Baustein als Bischof oder Präses. Es sind die verschiedenen, ja sehr unterschiedlichen Menschen, die zur einen Kirche gehören. Und sie bilden zusammen das eine Gesicht der Kirche. Das sieht nicht immer, aber doch immer wieder schön aus: z.B. im Gebet oder beim Gesang. Manchmal ist das Gesicht auch zerfurcht in sorgender Fürbitte, zornig im Protest gegen Unrecht und Gewalt, lachend in der Liebe zum Leben, faltig im Bedenken vieler Erfahrungen, traurig im Bekennen der Schuld, strahlend im Empfangen eines Segens.

Allerdings: damit das immer wieder geschieht und auch erkennbar ist, gibt es eine Bedingung: Die vielen Bausteine der einen Kirche müssen sich alle ausrichten auf den einen entscheidenden Baustein:  Jesus Christus. "Kommt zu ihm als dem lebendigen Stein!"  (1. Petrus 2,4) So werden alle Christenmenschen in der Bibel eingeladen.

Er ist der entscheidende Baustein der Kirche. Lebendig, nicht tot. Das Gesicht der Liebe Gottes hat er gezeigt. In seinem Tod schien das ausgelöscht. Doch Gottes Liebe lässt sich nicht besiegen und für immer aus der Welt drängen. In der Auferweckung Jesu Christi von den Toten erweist sie ihre unwiderstehliche Kraft. Da ist der Grundstein erneuert. Und alle, die darauf bauen und sich auf ihn ausrichten, bilden die eine lebendige Kirche. Wo sie das zeigen und feiern, da ist das Gesicht der Kirche erkennbar.

Audiobeitrag Image oder Gesicht?


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen