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Die beiden Steintafeln
Liebe Hörerinnen und Hörer! Von den Geschichten über Steine und was sie mit dem Glauben zu tun haben, heute die zweite:
Irgendwann sind sie verschwunden, die beiden Tafeln aus Stein. Nicht irgendwelche, nein, die Tafeln mit den zehn Geboten. Die Steine, die das sichtbare Dokument des Bundes zwischen Gott und seinem Volk Israel waren: Ich habe euch aus der Sklaverei befreit, sagt Gott. Und er erklärt dem Volk mit den Geboten, wie es frei bleiben wird. Allzu gut hat das schon am Anfang nicht funktioniert. Das zeigt bereits die Tatsache, dass es nicht mehr die Originale waren, die man als Tafeln des Gesetzes aufhob. Die habe Mose zertrümmert, so wird erzählt, als er von der Begegnung mit Gott kam.
Und das war so: Mose trifft die Menschen beim Tanz um das Goldene Stierkalb an. Aus ihrem ganzen Vermögen haben sie ein Götzenbild geschaffen. So eines, wie es andere Völker auch haben. Denn so soll ihr Gott auch erscheinen: stark und zeugungsmächtig, ein Siegergott. Doch mit diesem Tanz machen sie sich von Gott ein völlig falsches Bild. Er ist doch der Gott der Armen; einer, der sich um die Unterlegenen kümmert. Mit dem Tanz um das Goldene Kalb machen sie aus diesem Gott einen Götzen, der auf ihre Musik hören muss.
Mose ist entsetzt und wütend. Und so knallt er dem Volk die Steintafeln vor die Füße, dass sie zerbrechen. Danach kostet es ihn viel Einsatz und Gebet, damit Israels Gott sein Volk nicht fallen lässt. Schließlich darf er den Text der Gebote auf zwei neue Tafeln schreiben. Die werden dann lange gehütet wie ein Schatz. Sie werden mitgetragen durch die Wüste, bis sie viel später im Heiligen Tempel in Jerusalem verwahrt werden. Aber irgendwann sind sie auch von dort verschwunden.
Diese Steintafeln wiederfinden, das wär´s! Sie wiederfinden, sie in den Himmel zurückbringen und so den Bund Gottes mit den Menschen aufheben. Das wollen zumindest die Hauptfiguren eines holländischen Romans.
Natürlich kann das nicht funktionieren. Nicht nur weil die Steine unauffindbar geblieben sind. Der Bund ist von Gottes Seite unauflöslich, und er besteht nicht aufgrund der Gesetzestafeln. Gott braucht auch keine Dokumente, um sich zu erinnern, mit wem er verbunden ist. Mit deren Verlust oder mit einer erträumten Rückgabe an den Himmel ist die Wirklichkeit nicht verändert.
Es geschieht im Gegenteil aber vieles, was entsetzlicher ist und den Bund Gottes mit uns Menschen auf die Probe stellen kann: Wir Menschen sind immer wieder gottvergessen und leben so, als gäbe es Gottes Worte und Gebote nicht. Wir jubeln mit dem Abgott Erfolg und Macht. Gewinnversprechen und Quoten wollen alles bestimmen. Natürlich, der Tanz ums Goldene Kalb, um den Stier der Börse und Finanzplattformen, scheint mit seinen Stürzen gründlich aus dem flotten Rhythmus gekommen. Trotzdem wird wieder gesammelt: das noch vorhandene Geschmeide und das Vermögen der kommenden Generationen sollen die Macht des Stieres, die Macht des Mammons wiederherstellen.
Fast sollte man sich die großen Tafeln aus Stein wieder herbei wünschen, damit alle Welt nachlesen kann, wer der Gott ist, der befreit? Ich bin der HERR, dein Gott, der dich aus der Sklaverei befreit hat! (2.Mose 20,2) Doch wer dieser Gott ist und wie befreiend er wirkt, ist uns und aller Welt längst durch das Leben und Sterben Jesu Christi in Fleisch und Blut erschienen. Und was Gott von uns erwartet, damit wir die Freiheit behaupten, hat durch Jesus Hand und Fuß bekommen. In der Bibel ist das nachzulesen. Nicht mehr an Steintafeln. Erkennbar wird alles an Jesus Christus.
Die beiden Steintafeln
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