Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

30.06.09, Mark Pollmeier

Beerdigungsplan

Seit 2 Stunden sitzt mein Vater schon am Küchentisch. Um sich herum hat er einen Haufen Bücher aufstapelt: Romane, Gedichtbände, aber auch die Bibel. Er liest und blättert.

Ab und zu nickt er und schreibt was auf ein Blatt Papier.

Meine Mutter steckt den Kopf zur Küche herein. „Sag mal ... was machst du da eigentlich die ganze Zeit?“

„Ich plane meine Beerdigung“, brummt Papa nur. Er hat dabei nicht mal den Kopf angehoben.

„Du planst WAS?“ Meine Mutter guckt entgeistert. „Na ja, meine Beerdigung halt“, wiederholt mein Vater. „Ich schreib auf, wie die so sein soll. Welche Lieder, welche Texte ... Ist doch nett von mir. Dann haste nicht so viel Arbeit, wenn’s soweit ist. Sterben müssen wir ja alle mal, oder?“

Meine Mutter hat plötzlich Tränen in den Augen. „Du spinnst ja!“ Sie guckt jetzt wirklich entsetzt. Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. Typisch Papa. Für verrückte Ideen ist er immer gut.

Andererseits: So verrückt ist es gar nicht, die eigene Beerdigung vorzubereiten. Jedenfalls dann, wenn sie einem selber wichtig ist. Über Hochzeiten macht man sich schließlich auch eine Menge Gedanken.

Mein Vater hat uns dann erstmal versichert, dass er nicht todkrank ist und auch nicht lebensmüde. Dann haben er und meine Mutter sich gegenseitig erzählt, wie sie sich ihre Trauerfeier wünschen. Und ich hatte den Eindruck, so intensiv haben die beiden sich schon lange nicht mehr unterhalten.

Sprecher: Michael Birgden

Audiobeitrag Beerdigungsplan


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen