Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

29.06.09, Mark Pollmeier

Altes Denken abwracken

Mein Nachbar hat sein Auto abgewrackt, das neue wird demnächst geliefert. Die Finanzkrise findet er seitdem gar nicht mehr so schlimm.

„War doch alles nur Panikmache“, sagt er und freut sich auf seinen neuen Wagen.

Irgendwie hat er sogar recht damit. Dafür, dass wir angeblich in einer Jahrhundert-Krise stecken, hat sich erstaunlich wenig geändert.

In der Wirtschaft geht es immer noch vor allem um Wachstum. Die Politik hofft brav auf den nächsten Aufschwung. Und meine Bank schickt mir schon wieder Aktien-Empfehlungen. Im Prinzip wurschteln alle weiter wie bisher.

Ich meine, ich hab’ wirklich nichts dagegen, dass der Weltuntergang ausgefallen ist. Ist ja auch viel bequemer so.

Aber weiter machen wie bisher, das heißt doch vor allem: weiter Energie und Rohstoffe verbrachen, als wären sie unendlich. Das heißt, dass immer noch die Rendite im Vordergrund steht. Und dass Natur und Umwelt im Zweifel nicht so wichtig sind.

Dabei ist doch klar: Es kann nicht ewig so weiter gehen. Die aktuelle Krise haben wir noch mal in den Griff bekommen, mag sein. Aber die Ursachen sind damit ja nicht verschwunden. Wir haben nur etwas Zeit gewonnen.

Einfach immer weiter so? Hauptsache Wachstum? Vielleicht sollten wir statt der Autos erst mal das alte Denken abwracken.

Sprecher: Michael Birgden

Audiobeitrag Altes Denken abwracken


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