Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

20.06.09, Jörn Heller

Gottes Engel haben Pfoten (Psalm 121,2f)

Es gibt keine Wunder. Jedenfalls dann nicht, wenn man nur auf das große Spektakel wartet. Es gibt auch keine Engel.

Jedenfalls dann nicht, wenn man nur auf strahlende Lichtgestalten wartet. Tut man das nicht, ist unser Leben voll von ihnen. Manchmal aber sind Gottes Wunder so klein und unscheinbar, dass man sie kaum bemerkt. Und manchmal haben seine Engel keine Flügel, sondern Pfoten. Und dann heißen sie nicht Gabriel, sondern vielleicht: Max.

Atmo: Hundegebell

O-Ton: „Den hab ich jetzt seit viereinhalb Jahren, den Max. Und es war mir von Anfang an wichtig, nen Hund zu haben, mit dem man auch ins Altenzentrum gehen kann, dass man so` n Seelsorge-Hund hat, der mich dann begleitet.“

Autor: Armin Neuser-Moos ist Altenheim-Seelsorger im westfälischen Freudenberg. Bei seinen Besuchen macht er die Erfahrung, dass ein gemütlicher Labrador-Mischling Türen öffnen kann, die bei den Menschen öfters mal klemmen.

O-Ton: „Ich hab mal ne Dame besucht, alleine besucht, hatte ihn aber dabei, habe ihn dann auf den Flur gesetzt, festgebunden, so dass er sich noch gut bewegen kann, und ich kam dann nach ner halben Stunde, dreiviertel Stunde wieder aus dem Zimmer raus, da saßen drei alte Damen um Max herum, die hatten sich Stühle geholt, sprachen mit ihm, kümmerten sich, und waren so auch nochmal ganz neu miteinander in Kontakt gekommen. Das finde ich auch Klasse.“

Autor: Manchmal gelingt es Max sogar, die geistige Verwirrung zu durchbrechen, die viele  alte Menschen von der Außenwelt abschneidet, und schafft damit etwas, das selbst dem Pflegepersonal nur selten gelingt. Armin Neuser-Moos erinnert sich an Frau G., die an Demenz erkrankt war und die er nie hatte reden hören. Eines Tages kam er mit Max zu Besuch und setzte sich in den Aufenthaltsraum des Altenheims. Alle freuten sich und redeten durcheinander.

O-Ton: „Auch Frau G. saß da, und auf einmal sagte eine Stimme, die ich gar nicht kannte: „Wir hatten früher auch mal nen Hund!“ Und ich kuck mich um und denk: „Wer hat das denn jetzt hier gesagt?“ Und dann war Frau G. das gewesen. Und da sagte ich: „Was haben sie gesagt?“ „Wir hatten früher auch mal einen Hund.“ Und dann hab ich sie noch gefragt, wie der Hund geheißen hat, da konnte sie mir auch noch Antwort drauf gegeben, und danach verschwand sie wieder ins Schweigen.“

Autor: Nette Geschichte, werden Sie vielleicht denken. Aber was hat das mit Wundern zu tun? Sehr viel, meine ich. Denn Wunder sind nichts anderes als das Außergewöhnliche inmitten des Alltäglichen, das, womit niemand gerechnet hätte, die plötzliche Freude inmitten der Trübsal. Wenn wir Wunder nur ein kleines bisschen anders definieren und nicht gerade blind durch die Gegenwart laufen, können wir sie in unserem Alltag auf Schritt und Tritt erleben, genau so wie die Engel.

Im Psalm 121 heißt es: „Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.“

Gott schläft nicht, wenn er uns behütet. Er ist hellwach, wenn er uns hilft. Ob wir das bemerken oder nicht. Wenn Gott seine Engel aussendet, um Wunder zu tun, setzt er dabei Himmel und Erde in Bewegung. Und wenn es sein muss, auch mal einen Hund wie zum Beispiel: Max!
 
Atmo: Hundegebell

Audiobeitrag Gottes Engel haben Pfoten (Psalm 121,2f)


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