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Krakauer
Die Geschichte heißt: Lichter im Dunkel. Sie spielt in Deutschland, 1943 bis 1945. Und sie geht so:
Ein jüdisches Ehepaar in Berlin entkommt in letzter Minute der Verhaftung und Deportation ins Todeslager. Max und Ines Krakauer kommen in ihrer Not bei Freunden unter, aber nur für eine Nacht, dann bei anderen. Mal drei Tage hier, mal zwei Wochen da. Immer nur mit dem Allernötigsten in der Hand unterwegs, ständig in Angst. In der scharf kontrollierten Reichshauptstadt wird ihnen ihre Lage bald zu gefährlich, sie wagen die Bahnreise nach Pommern, mit Adressen von Pfarrhäusern in der Tasche. Evangelische Pfarrer in pommerschen Dörfern nehmen sie auf. Aber auch das geht immer nur für wenige Tage, länger wäre zu auffällig. Nach einem halben Jahr finden sie in dieser Gegend keine Zufluchtsorte mehr. Also zurück nach Berlin. Wieder finden sich Menschen, die ihnen für kurze Zeit Asyl gewähren. Lange geht es nicht, und in Berlin schon gar nicht. Es kommt ein Kontakt nach Württemberg zustande. Dort gibt es Pfarrer, deren Türen für die Verfolgten offen stehen. Es sind Pfarrer der Bekennenden Kirche, Gegner der Naziregimes. Sie vertrauen einander, stehen in Kontakt, vermitteln an Kollegen im nächsten oder übernächsten Dorf oder auch erheblich weiter. Die beiden Flüchtlinge fahren mit Kleinbahnen. Sie sind halbe Tage oder halbe Nächte zu Fuß unterwegs. Ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich. Ein Apotheker besorgt Medikamente, ein Arzt behandelt im Verborgenen. So geht es weiter, von Pfarrhaus zu Pfarrhaus. Mal für drei Tage, mal für drei Wochen. Immer bleibt die Gefahr präsent. Wer Juden versteckt, riskiert Freiheit und Leben, bringt auch seine Angehörigen und alle anderen Mitwisser in Gefahr.
Die Flucht geht weiter, manchmal haarscharf an der Entdeckung vorbei. Die Pfarrhauskette bewährt sich unglaubliche zweieinviertel Jahre lang, bis zur Befreiung im April 1945. Mehrere hundert Menschen waren an der Rettung der beiden Flüchtlinge beteiligt, in insgesamt 77 Stationen fanden sie Gastfreundschaft. Max Krakauer hat später mit dem Buch Lichter im Dunkel all den Helfern ein Denkmal gesetzt.
Als ich dieses Buch las, hatte ich immer die Frage im Hinterkopf: Wie hätte ich gehandelt? Wäre ich so mutig gewesen? Hätte ich die Zukunft meiner Familie aufs Spiel gesetzt?
Ich weiß es nicht. Und ich bin froh und dankbar, dass ich nicht unter einer Diktatur lebe, die solche Entscheidungen fordert. Aber die Retter des jüdischen Ehepaars Krakauer haben eine Glaubensstärke bewiesen, die auch mir Stärke gibt. Als evangelische Christen waren sie in tiefster Seele überzeugt: Hier geschieht ein abgrundtiefes Verbrechen am Volk Gottes. Dem stellen wir uns entgegen, so gut wir können. Als evangelischer Christ will ich mich an dieser geradlinigen Haltung orientieren. Das alles geschah lange bevor ich geboren wurde. Aber dennoch sind Respekt und Bewunderung, die ich für diese mutigen Pfarrer empfinde, über die Zeiten hinweg etwas Verbindendes. Es ist eine Tradition, in der ich auch stehen möchte. Sie haben in ihrer Zeit ein leuchtendes Beispiel gegeben. Es soll mir den Rücken stärken, wenn ich heute Mut und Zivilcourage brauche.
Krakauer
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