Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

19.06.09, Jörn Heller

Keine Sorge! (Matthäus 6,24)

Man kann sich schon Sorgen machen, wenn man an die Zukunft denkt! Das war zwar schon zu allen Zeiten so.

Aber angeblich haben wir in der heutigen Zeit der weltweiten Finanzkrise dazu mehr Anlass denn je. Dann jedenfalls, wenn wir den Prognosen trauen, mit denen wir regelmäßig überschüttet werden. Aber wie hieß es doch neulich so schön in einem Fernsehbeitrag: „Prognosen sind laut den Experten in dieser Krise besonders schwierig.“ Was auf gut Deutsch heißt: Nichts Genaues weiß man nicht. Auch nicht in Fachkreisen. Was die Medien aber nicht davon abhält, rauf und unter darüber zu berichten. Insofern sind Krisenzeiten immer ein guter Lieferant für Schlagzeiten. Und die meisten davon haben den immer gleichen Tenor: Man kann sich schon Sorgen machen, wenn man an die Zukunft denkt!

Das kann man, man muss es aber nicht. Es gibt eine Stelle in der Bergpredigt, in der Jesus davor warnt, der Katastrophe das Wort zu reden. „Sorget nicht für morgen,“ heißt es da, „denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen!“ Das mag auf den ersten Blick weltfremd und leichtfertig erscheinen. Auf den zweiten Blick aber ist diese Einstellung realistisch und klug, denn sie setzt Kräfte frei, mit denen sich die Gegenwart bewusst und mit klarem Kopf gestalten lässt.

Es lohnt nicht, sich über das Morgen übermäßig viel Gedanken zu machen. Schlicht und einfach deshalb, weil man über das Morgen nicht so übermäßig viel weiß. Nicht einmal Experten tun das. Wir alle wissen ja nicht einmal, ob es überhaupt ein Morgen für uns gibt. Und wenn es ein Morgen gibt, dann weiß niemand, welche unkalkulierbaren Ereignisse an diesem Tag wohl eintreten werden. Mag sein, dass morgen in unserem Leben eine Katastrophe ausbricht, von der wir heute keine blasse Ahnung haben. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird es eine jener vielen kleinen Katastrophen sein, über die keine Rundfunkanstalt groß berichtet. Möglicherweise werden wir mit dieser Katastrophe aber besser fertig, als wir denken. Möglicherweise wird uns durch sie eine innere Stärke zuteil, die wir sonst niemals erlangt hätten. Möglicherweise erfahren wir in dieser Katastrophe Hilfe von Menschen, mit denen wir nie gerechnet hätten. Ja, möglicherweise wirkt sie sich für uns im Ganzen positiv aus. Wenn sie kommt. Vielleicht kommt sie aber auch nicht. Vielleicht ereignet sich im Gegenteil schon morgen einer jener seltenen Glücksfälle, die unser Dasein auf den Kopf stellen, ein glücklicher Zufall, der plötzlich in unserem Leben die Weichen neu stellt und uns in eine Richtung gehen lässt, von der wir nicht gewagt hätten zu träumen.

Das Leben ist immer voller Überraschungen, böser wie guter. Man mag sie sich ängstlich vorstellen oder hoffnungsvoll ausmalen. Und jeder Mensch tut das, denn jeder ist ja eben auch nur ein Mensch. Aber es lohnt sich nicht, mit solchen Gedankenspielchen allzu viel Zeit zu verschwenden. Besser ist es, sein Leben nach dem Grundsatz Jesu zu gestalten: Sorget nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen!

Der morgige Tag sorgt für das Seine, das heißt: Gott wird morgen schon für das sorgen, was wir nötig haben. Er wird uns morgen das geben, was wir benötigen, so wie er uns auch heute unser tägliches Brot gibt, also das, was wir zum Leben brauchen. Deshalb sollen wir unser Morgen getrost auf sich beruhen lassen und unerschrocken unser Heute leben. Mit wachem Blick, ruhigem Gemüt und jeder Menge Gottvertrauen!

Audiobeitrag Keine Sorge! (Matthäus 6,24)


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