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Segen
Segen, Segen, Segen, kommst mir sehr gelegen mit guten Worten jedenfalls und ein bisschen Schmalz.
So singt der Kabarettist und Theologe Okko Herlyn mit sanftem Sarkasmus. Er zielt damit auf eine wolkige Wohlfühl-Atmosphäre nach dem Prinzip: Das tut mir irgendwie gut. Was ist daran eigentlich schlimm? Was stört den scharfzüngigen Spötter an dieser religiösen Wellness? Muss er solche kuscheligen Gefühle unbedingt madig machen?
Aber was ist eigentlich Segen? Im Alltag kommt er meistens nur noch als absegnen vor. Wenn der Bundestag etwas abgesegnet hat, dann ist es von höchster Stelle offiziell beschlossen. Oder, vielleicht: Wenn es nach wochenlanger Dürre endlich regnet, schreibt sogar die Zeitung, der Regen sei ein Segen für die Landwirtschaft.
Mit dem Absegnen ist es so eine Sache. Ich behaupte: Der Bundestag kann das gar nicht. So wenig wie er es regnen lassen kann. Denn der Segen ist unverfügbar. Kein Mensch kann ihn machen. Deshalb passt es auch nicht, wenn gesagt wird: Die Kirche gibt ihren Segen dazu. Was eine Pfarrerin oder ein Pfarrer, aber auch jeder andere Mensch kann, ist: die Bitte um den Segen aussprechen. Das ist viel. Jeder Segen ist ein Gebet. Ich wende mich an das ganz andere Gegenüber, an Gott. Ich bitte ihn um das, was nur er geben kann. Ich kann den Segen nicht fordern, nicht einklagen, nicht beanspruchen. Aber im Vertrauen darauf und voller Hoffnung, dass Gott ihn mir und anderen gibt, bitte ich darum.
Gesegnet heißt auf Hebräisch Baruch. Dieselben Buchstaben bilden auch das Wort für Knie. Wer die Knie beugt, kann Segen von Gott empfangen. Wenn ich mich unterordne, mich als Mensch zurücknehme, seiner Liebe vertraue, werde ich offen für den Segen.
Das altmodische Wort Demut passt dazu. Demütig kann ich hoffen und vertrauen. Ob Gott mir seinen Segen gibt, bleibt ihm überlassen. Hier ist der Unterschied zur spirituellen Wellness-Kultur, von der Wohlbefinden erwartet wird wie im Whirlpool: Das Vertrauen schließt immer auch eine Unsicherheit ein sonst wäre es ja kein Vertrauen. Der Segen mag noch so schön und stimmungsvoll formuliert sein. Ob Gott vor mir ist, damit der Wind nicht kalt in mein Gesicht bläst; über mir, damit kein Stein auf meinen Kopf fällt; hinter mir, damit mich niemand hinterrücks überfällt; unter mir, damit mein Fuß nicht ausrutscht... solche guten Wünsche bewegen sich schnell in die Nähe von religiösem Kitsch. Den Segen kann ich nicht wie ein Amulett tragen.
Ich bin froh, dass Gott sich nicht für menschliche Zwecke einspannen lässt auch wenn der Wunsch danach manchmal nahe liegt. Es ist ja auch ein verführerischer Gedanke: den Allmächtigen so zum Verbündeten haben, dass er tut, was man selber will. Aber wer die Bitte um den Segen ausspricht oder anderen zuspricht, vertraut auf eine Kraft, die weiter reicht als alle menschliche Energie und Vernunft. Das wusste man schon vor über dreitausend Jahren in Israel. Von dort stammt jene Segensbitte, die Christen übernommen haben und die bis heute in fast jedem Gottesdienst ausgesprochen wird: Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
Segen
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