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Unsympathen
Es gibt unsympathische Zeitgenossen. Der Dicke, der sich im Bus neben mir breit macht und übel nach Schweiß und Alkohol riecht.
Der Jugendliche, aus dessen Ohrstöpseln laute Musik dringt und der überall hinspuckt. Die Tante, die ständig glaubt, gerade sie sei besonders hart vom Schicksal getroffen und die allen auf die Nerven geht mit ihren ewigen Jammergeschichten. Oder auch der weltgewandte Besserwisser, den nichts beeindrucken kann. Immer hat er schon etwas Besseres, Schöneres, Echteres erlebt. Oder gar die kaltblütige Intrigantin, die nach außen immer schön tut und gleichzeitig andere ins offene Messer laufen lässt.
Muss ich die eigentlich mögen? Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich sie nicht leiden kann? Ich bin froh, wenn ich manchen Menschen möglichst aus dem Weg gehen kann ist das unchristlich? Widerspricht es nicht dem Gebot: Liebe deinen Nächsten...?
Es ist menschlich, nicht alle gleichermaßen sympathisch zu finden. Lieben? Ganz schön schwierig bei manchen Typen. Manchmal hilft es, die Perspektive umzudrehen. Wie sehen mich eigentlich andere? Meine kleinen und großen Schwächen, meine Eigenheiten, die gewiss nicht allen gefallen? Manchmal hilft es, wenn ich versuche, von außen auf mich zu blicken. Da könnte es passieren, dass ich anderen so unsympathisch bin wie andere mir.
Aber dieser Perspektivwechsel gelingt mir nicht immer. Nicht immer habe ich die Größe und Gelassenheit, so die Blickrichtung um 180 Grad zu ändern. Ich bleibe ich. Mein Schatten, über den ich springen will, ist schneller.
Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun, das tut ihr ihnen auch Mt 7,12 sagt Jesus. Eigentlich ganz einfach. Daraus ist das Sprichwort geworden: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu. Doch was der Volksmund negativ sagt tue nichts, was du nicht selber abkriegen willst ist als goldene Regel, die Jesus aufstellt, positiv: Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun, das tut ihr ihnen auch. Gutes Zusammenleben gestalte ich aktiv. Nichtstun reicht nicht.
Das ist natürlich kein Kochrezept, kein Satz aus einem Lebensratgeber, der mechanisch anzuwenden wäre. Was ich mir wünsche, dass andere es an mir tun: Gerade das wird den anderen nicht immer gefallen. Ohne Verstand, Herz, Offenheit und Einfühlungsvermögen wird es nicht gehen. Und das ist eben nicht immer einfach gerade bei Typen, die nun gar nicht auf meiner Wellenlänge sind.
Ich muss sie nicht mögen. Aber ich kann mir sagen: Auch der, den ich jetzt am liebsten auf den Mond wünschen würde auch den liebt Gott. Unbegreiflich. Und ich bin heilfroh, dass Gott auch mich liebt. Unbegreiflich vielleicht für andere. Die mögen mich unausstehlich finden. Ich schaffe es nicht, manche Typen auch nur annährend nett zu finden. Aber Gott schafft es. Das macht mich frei und gelassen.
Unsympathen
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