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Himmel und Hölle
Irgendwo in der Kölner Innenstadt. Ein Café propenvoll. Nur ganz hinten in der Ecke ist noch ein Tisch frei.
Ich quetsche mich mit meinem Sohn an den übrigen Gästen vorbei.Wir setzen uns. Schräg hinter mir sitzt ein Mann, den mir schon beim Hereinkommen aufgefallen war. Irgendwie unangenehm. Sein Blick düster ja, fast hasserfüllt. In seinen Gesichtszügen spiegeln sich Schmerz und Verachtung.
Ich bemerke, wie mein Sohn ihn anstarrt. Ich versuche ihn abzulenken, indem ich die Speisekarte laut vorlese. Plötzlich fasst mein Sohn mich am Handgelenk und fragt ganz laut: Mama, kommt der Mann dort drüben in den Himmel oder in die Hölle? Mit einem Mal verstummen die Gespräche an den Nachbartischen..
Was tun? Die Frage ist mir peinlich. Das weiß nur Gott, sage ich und dann: Guck mal die vielen Autos da draußen hast du die schon gezählt? Ich versuche abzulenken. Da bemerke ich, wie mich jemand von hinten an der Schulter berührt. Ich fahre herum. Da steht der Mann von schräg gegenüber. Er blickt mich an und dann sagt er: Beten Sie für mich, dass ich in den Himmel komme! Das ist keine Bitte, das ist ein Befehl!
Ich nicke. Versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen, fügt der Mann hinzu. Dann nickt er wohlwollend zum Abschied und geht zum Ausgang. Ich blicke ihm stumm hinterher. Mitten im Ausgang bleibt er stehen, dreht sich um und ruft durch das Café: Wir sehen uns im Himmel.
Einige Monate später. Dasselbe Café diesmal allerdings nicht so voll. Ich bin allein ohne meinen Sohn.Setze mich vorne an die Theke und bestelle einen Cappuccino. Der junge Kellner blickt mich an, dann sagt er: Eh, bist du nicht die Himmel/Hölle Frau? Die Szene war echt cool. Aha, sage ich. Weißt du eigentlich, dass der Typ gestorben ist? Ich schüttele den Kopf. Der hatte ein verdammt hartes Leben. Wenn ich all das erlebt und getan hätte wie der, ich wär genauso geworden total verbittert und fertig mit der Welt. Was hat der eigentlich zu dir gesagt, als der an deinen Tisch kam? Warum?, frage ich.Die letzten paar Mal, wo der hier war, war der irgendwie verändert. Er wirkte relaxed fast freundlich gelöst. Auf jeden Fall anders. Ich fand ihn fast sympathisch..
Ich zahle und stehe auf. Beim Rausgehen denke ich, schön wenn man am Ende seines Lebens darauf vertrauen kann, von Gott mit offenen Armen empfangen zu werden. Dass Gott auf einen wartet, egal wie verkorkst und missraten das Leben war. Der Mann muss das irgendwie gespürt haben daher am Ende diese Gelassenheit. Er hatte Gott auf seiner Seite. Und ein Kind mein Sohn hat ihn daran erinnert.
Ich öffne die Ausgangstür. Wir sehen uns im Himmel, hatte er gesagt- Ja gern, ich bin dabei! Sie auch?
Himmel und Hölle
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