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Glaubensumfrage
Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen.Gemeinde: Amen
Liebe Gemeinde, es ist Wahlkampf und damit Umfragezeit. Parteien positionieren sich. Umfragen sollen helfen, Stimmungen aufzunehmen und den Wahlaussagen den letzten Schliff zu geben.
Aber nicht nur in Wahlkampfzeiten schießen die Umfragen aus dem Boden. Auch die Bibel berichtet von einer. Zugegeben: Sie ist an einen engen Personenkreis gerichtet und damit überhaupt nicht repräsentativ. Aber sie hat es in sich. Kein Geringerer als Jesus gibt sie in Auftrag. Die Befragten sind seine Gefolgsleute und seine Frage lautet: Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei?
Und dann wird die Frage noch weiter zugespitzt: Wer sagt denn ihr, dass ich sei? Jetzt wirds also persönlich! Wenn ich bei der nächsten Wahl mein Kreuzchen mache oder wenn ich nach meiner Meinung befragt werde zur Wirtschafts- oder Außenpolitik, da kann ich mich noch verstecken hinter dem Wenn ich was zu sagen hätte
und Falls ich entscheiden könnte
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Die meisten von uns sind aber weit davon entfernt, auch solche Entscheidungen treffen zu können. Das hat Vorteile; denn dieser Abstand hilft, eine schnelle und unverfälschte Antwort zu geben. Doch die Frage Jesu ist anders beschaffen. Wer sagt denn ihr, dass ich sei? Die Frage hat direkt was mit mir zu tun - mit meinem Leben und mit meinem Glauben, das spüre ich. Sie berührt mich. Ja, was glaube ich? Viele von uns können antworten mit Wissen, dass sie früher im Religionsunterricht, im kirchlichen Unterricht oder vielleicht sogar im Elternhaus gelernt haben:
Jesus war ein Mensch, der sich für die Schwachen eingesetzt hat, wie kein anderer; und der das noch mit Wundern verband. Und dann erinnern wir uns an die Geschichten wie die von der Heilung von Blinden und Aussätzigen. Vor dem inneren Auge tauchen Bilder auf von dem Hirten, der das verlorene Schaf zurück zur Herde trägt. Ja, das war Jesus Hoffnung für die, die in der Gesellschaft nichts mehr zu hoffen hatten. Eine Art Mutter Theresa oder Albert Schweitzer.
Oder ich erinnere mich an einen anderen Aspekt: Jesus war der, der bei den religiösen Führern mal richtig aufgeräumt hat, der auch kein Blatt vor den Mund nahm, wenn es darum ging, dass die Kirche oder damals sagen wir besser - der Tempel zur Ehre Gottes da sein sollte und nicht um politische oder religiöse Verhältnisse zu finanzieren oder zu zementieren. Sind da nicht sogar Tische umgeflogen? Vielleicht erinnern wir uns auch einfach an den lieben Jesus, zu dem wir mit unserer Mutter oder der Oma am Abend vor dem Zubettgehen gebetet haben, dem wir die größten Geheimnisse sagen konnten und den wir um den Schutz vor bösen Mächten in der Nacht bitten konnten.
Gut so, wenn all diese Erinnerungen noch da sind. Aber ich spüre, dass sie nicht wirklich die Antwort auf die Frage Jesu sind: Wer sagt ihr, dass ich sei?
Die Jünger Jesu, denen er diese Frage vor 2000 Jahren stellte, haben möglicherweise dasselbe gespürt. Dankbar die Frage Jesu aufnehmend erzählen sie zunächst einmal, was die Menschen so meinen:
- du bist so jemand wie Johannes der Täufer, sagen einige; radikale Umkehr ist dein Programm, Verzicht auf Luxus. - Andere sehen Elia in dir; endlich Klarheit schaffen, wer Gott ist und wer nicht, weg mit den heidnischen Kulten und allen fremden Göttern. - Einige glauben, du könntest Jeremia sein; der, der sich mit seinem eigenen Leben einsetzt gegen das Leid der Welt.
Und Jesu Reaktion auf die Antworten? - Es fällt auf: Jesus beurteilt keine dieser Antworten. Aber er lässt auch nicht locker, sondern legt nach: Und ihr, wer glaubt denn ihr, dass ich sei? Was meinst du?
Da ist sie wieder die Frage, bei der schnell klar wird: es gibt kein Ausweichen. All das, was ich von anderen gehört habe, was ich vielleicht mal gelernt habe, das mag irgendwie richtig sein. Aber hier geht es um mehr. Hier spüre ich, wie Gott mir auf eine unerklärliche Weise nah kommt.
In meinem Alltag da ist Gott irgendwo da. Aber eigentlich bin ich viel zu beschäftigt, als dass ich das ständig wahrnehme. Wie auch, bei all den Dingen, an die man denken muss?!
Die eine oder andere von uns geht am Sonntag in die Kirche oder liest am Morgen die Losung der Herrenhuter Brüdergemeinde. Und dann ist das ein guter Gedanke, der mit in den Tag genommen wird. Aber dann ist auch schnell der Alltag da. Da muss ich in anderen Dingen Flagge zeigen.
Heute am zweiten Pfingsttag 2009 steht Jesu Frage an uns im Mittelpunkt. Gut so! An dem Fest, das die christliche Kirche als ihren Geburtstag und Anfang versteht, soll ich Antwort geben können auf die Frage: Wer ist Jesus Christus für mich? Eine besondere geschichtliche Person, eine unfassbare und unerklärliche Macht oder hat er viel direkter was mit meinem Leben zu tun?
Musikalisches Zwischenspiel
Jesus Christus fragt: Wer glaubt ihr, dass ich sei? Petrus antwortet: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!
Kein angelerntes Wissen, kein Verweis auf Vergangenes. Sondern: Du bist Christus, Sohn des lebendigen Gottes! Respekt, die Antwort hat Gewicht! Als würde Petrus in diesem Moment sein ganzes Leben in die Hände Gottes legen. Alle Zweifel wegwischend, jede Distanz aufgebend.
Damit wir verstehen, worin das Gewicht der Aussage liegt: Genau genommen ist Christus ein Titel kein Name. Der Name ist Jesus. Und unter Christus verstand man den Gesalbten, den von Gott Erwählten.
Was Petrus also in diesem Moment als Antwort auf die Frage Jesu sagt, ist viel mehr als eine diskussionswürdige Meinung. Du bist der Erwählte Gottes. In dir begegnet mir Gott selbst. Zwischen dich, Jesus, und Gott im Himmel passt kein Blatt Papier, so sehr seid ihr eins.
Diese Worte des Petrus sind keine erlernten. Es ist ein Moment, in dem Himmel und Erde sich berühren. Für Petrus ist klar: Vor mir steht mein Heiland, an den ich mich halten will.
Alle Achtung, Petrus! Es so deutlich zu sagen, fällt mir manchmal schwer. Doch dass gerade Petrus das so sagt, ist auch wieder entlastend. Petrus war kein Übermensch, sondern einer, der mal mutig sein konnte und mal ganz schwach. Er war einer der Fehler machte, wie ich auch. Und doch konnte er nicht von diesem Jesus lassen, musste ihm folgen und erreichte dann über die manchmal holprigen Wege seines Lebens und Glaubens diesen Punkt, an dem er sagen konnte: In dir, Jesus, begegnet mir Gott.
Das Pfingstfest, liebe Gemeinde, die Erinnerung an die Ausgießung des Heiligen Geistes, gibt uns einen Hinweis, warum das so möglich war: Petrus ist gewachsen in seinem Glauben. Und Petrus war auf diesem Glaubensweg seit der ersten Begegnung mit Jesus von Nazareth nie allein unterwegs. Gott war sein Begleiter. Petrus erlebt auf diesem Weg wunderbare mit Menschenverstand nicht erklärbare Dinge. Er lernt, wie Jesus die Menschen mit anderen Augen ansieht als es die anderen tun: mit liebenden, annehmenden Blicken. Und dann kommt der Punkt, wo er nur noch sagen kann: So wie Du ist kein normaler Mensch. Du bist der Christus Gottes!
Selig bist du, Jonas Sohn, denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel. So fasst der Geehrte es zusammen.
Das ist Pfingsten: Mehr als Feuerzungen oder irgendwelche unerklärbaren Erscheinungen vom Himmel. Sondern Gott, der durch seinen Geist wirkt, mir Augen öffnet und Mut zum Bekennen macht. Wer meint ihr, dass ich sei? Was glaubst du?, fragt Jesus. Nicht immer kann ich so deutlich Position beziehen, wie Petrus es in diesem besonderen Moment tut. Ich erlebe traurige Tage und solche, in denen mein Leben zu scheitern droht und dann suche ich nach Gott. Und ich kenne auch Situationen, in denen mir klarer denn je ist, dass Gott in meinem Leben wirkt.
In allem aber, so lerne ich von Petrus, ist es Gott, der mich mit seinem Geist bewegt, mir Mut macht, mir Hoffnung schenkt. Und gerade dann, wenn ich das merke, spätestens dann bin ich aufgefordert, Position zu beziehen und die Frage Jesu zu beantworten. Das kann auf sehr unterschiedliche Weise geschehen. Ganz formal, in dem ich am Sonntag das Glaubensbekenntnis mitspreche, in dem schon viele andere vor mir ihren Glauben ausgedrückt haben. Ganz pointiert, wenn ich so ein Erlebnis habe, in dem Gott wirkt und von dem ich anderen erzähle. Ganz praktisch, in dem ich meinen Glauben im Alltag lebe; da wo ich mich im Alltag einsetze für Frieden, Liebe, Versöhnung in meiner Familie, in meinem Lebensumfeld; da wo ich meinen Umgang mit der Schöpfung und Umwelt überprüfe und gegebenenfalls Konsequenzen ziehe; oder da wo ich nach einem mühsamen Weg der Einsicht in mein Fehlverhalten umkehre und um Gottes neuen Anfang bitte. Und auch das ist ein Bekenntnis, wo ich gegebenenfalls protestiere gegen Verhältnisse und Zustände, die der Barmherzigkeit Gottes widersprechen.
Gestern, am 31. Mai, wurde die Theologische Erklärung von Barmen 75 Jahre alt. An vielen Orten wurde ihrer feierlich gedacht, weil sie grundlegend festhält, was das Handeln der Kirche zu aller Zeit bestimmen muss. Damals im Mai 1934 in der Zeit des Nationalsozialismus formulierte die Bekenntnissynode der Bekennenden Kirche ihren Protest gegen die Auffassung der offiziellen Deutschen Evangelischen Kirche. Ganz im Sinne der NSDAP traten die deutschen Christen für einen so genannten artgemäßen Christusglauben ein, sahen göttliche Lebensordnungen in Rasse, Volkstum und Nation.
Die erste These der Barmer Erklärung zitiert Christus: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. Damit halten die Verfasser der Barmer theologischen Erklärung eine für alle mal fest, dass Jesus Christus als das eine Wort Gottes alle anderen Mächte und Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung ausschließt.
Auch diese Barmer theologische Erklärung ist so eine Antwort auf die Frage Wer glaubt denn ihr, dass ich sei? An einem besonderen Zeitpunkt bekennt sie sich zu Jesus Christus und ist seitdem eine wegweisende Aussage.
Das Entscheidende in dieser theologischen Erklärung und das Entscheidende in der Antwort des Petrus ist die Aussage, dass in diesem Jesus Gott selbst wirkt. Du bist der Christus des lebendigen Gottes heißt vor allen Dingen dann aber auch, dass dieser lebendige Gott in meinem Leben und in der Welt lebt und wirkt. Zu bekennen Du bist der Christus der Heiland heißt, dass ich ihn als Mitte meines Lebens anerkenne. Ob wir das immer so betont sagen und bekennen können?
Vermutlich nicht, wir kennen alle auch die Phasen unseres Lebens, wo wir selbst auf der Suche nach unserem Heiland sind. Aber es ist gut zu hören, dass wir dazu nicht allein aus uns selbst kommen müssen: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel, spricht Jesus zu Petrus. Gott selbst kann uns diese Antwort in das Herz geben. Und er tut es auf die Weise, die wir gerade an Pfingsten bedenken und feiern: Mit seinem Heiligen Geist.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
Der nächste Evangelische Hörfunkgottesdienst aus Nordrhein-Westfalen, wird am 14.06.2009 von 10 Uhr bis 11 Uhr auf WDR 5, aus der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde in Bochum Linden übertragen. Die Predigt hält der Pastorin Daria Kraft.
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