Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

06.06.09, Pfarrer Wolf-Dieter Steinmann

Zweirad-Segen

Jetzt ist Zweiradzeit. Vor allem an Wochenenden. Es ist wunderschön, Motorrad zu fahren - oder auch Roller, wie ich das mache.

Jedenfalls: Auf zwei und nicht auf vier Rädern durch die Landschaft zu schweben. Ok, manchmal schweben wir nicht nur, sondern brettern auch. Aber es ist schön. Allein oder zu zweit auf der Maschine. Für sich oder zusammen mit anderen in der Gruppe. Jetzt, wo es wieder richtig warm ist, alles wieder lebt und in vollem Saft steht. Vermutlich können Sie das nicht ganz nachvollziehen, wenn Sie gern mit dem Auto unterwegs sind: Wir Zweiradfahrer sagen manchmal ein bisschen eingebildet: "Wie im Käfig". Aber Sie können er mir glauben: Es ist einfach etwas Anderes: Im Auto ist man zuerst einmal im Auto und damit abgekapselter von der Welt. Kriegt sie nicht so direkt mit. Gefiltert. Auf dem Roller oder dem Motorrad ist man näher dran und drin in der Welt. Ich rieche mehr von der Natur. Und ich fühle mehr auch von mir selbst.

Ich spüre die Geschwindigkeit, mit der ich unterwegs bin -  körperlich und geistig. Man kriegt die Straße direkt ins Kreuz. Und das Fahren hat dennoch etwas Leichtes. Leider hat dieser schöne Spaß halt seine Kehrseite. Zweirad fahren ist und bleibt gefährlich.
Manchmal vergessen wir es einfach oder schieben es von uns.

Und dann überschätzt man sich leicht. Oder die Kraft der Maschine verführt dazu, mir mehr zuzutrauen als gesund und gut ist. Ich versuche darum, auch unterwegs daran zu denken, dass es Menschen gibt, die auf mich warten. Und so zu fahren, dass ich mein Teil dazu beitrage, dass wir uns wieder sehen können.

Aber selbst wenn wir noch so bewusst fahren. Zweirad fahren ist auch deshalb gefährlich, weil es Autofahrer gibt. Und Autofahrer schätzen uns manchmal falsch ein oder übersehen uns ganz. Ich habe eine Bitte an Sie als Autofahrer, auch heute und morgen, wenn Sie unterwegs sind: Denken Sie dran, dass es uns Zweiradfahrer gibt. Dass ich Ihnen begegnen könnte. Und dass wir manchmal schneller sind, als Sie erwarten, schneller als Sie auf den ersten Blick meinen. Nicht alles was zwei Räder hat, ist ein Fahrrad. Schauen Sie bitte zweimal nach uns.

Aber selbst wenn Sie und ich aufmerksam und vorsichtig sind, und wenn wir uns nicht überschätzen, gefährlich bleibt das Ganze auch dann noch. Und für Zweiradfahrer können Fehler schnell gravierende Folgen haben. Ich habe das Gefühl, dass man auf zwei Rädern den Schutzengel und den Segen Gottes noch nötiger hat, als im Auto oder sonst im Leben.

Ich bin darum immer froh, wenn es jemand gibt, der mir eine gesegnete Fahrt wünscht. Das ist mir lieber als gute Ratschläge. Und wichtiger. Wenn es jemand gibt, der mich daran erinnert, wie nötig ich das habe, dass Gott mich begleitet.

Und ich hoffe, dass seine Schutzengel wach sind und schnell, Ihrer und meiner. Ich wünsche Ihnen schöne Fahrten. Fahren Sie vorsichtig und: Gott behüte Sie, an diesem Wochenende und alle Tage.

Audiobeitrag Zweirad-Segen


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