Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

06.06.09, Pfarrer Frank Küchler (Choralandacht)

O Heiliger Geist, o heiliger Gott (eg 131)

Liebe Hörerinnen und Hörer, am letzten Wochenende haben wir Pfingsten gefeiert. Seit Pfingsten – so heißt es – wohnt der Heilige Geist unter uns.

Aber wie soll man sich das vorstellen? Ich lade Sie heute Morgen ein zu einer Reise durch den pfingstlichen Choral „O heiliger Geist, o heiliger Gott.“ Der Text wurde Mitte des 17. Jahrhunderts von Johannes Niedling verfasst. In der Vertonung von Samuel Scheidt ist er ein fester Bestandteil unseres evangelischen Gesangbuches geworden.

Choral: (1. Strophe)
O Heiliger Geist, o heiliger Gott, / du Tröster wert in aller Not,
du bist gesandt von’ s Himmels Thron / von Gott dem Vater und dem Sohn,
O Heiliger Geist, o heiliger Gott.

Autor: Der Heilige Geist: ein Tröster in aller Not. Wer von uns braucht nicht hin und wieder Trost? Im Schmerz, in der Trauer? Trost, ja bitte. Aber billigen Trost oder Vertröstung, nein danke! Auch Durchhalteparolen wie „das wird schon wieder“ oder „da musst du jetzt durch!“ kann ich nicht gebrauchen.

Nein, ich wünsche mir, dass man liebevoll mit mir umgeht. Mir Verständnis entgegen bringt. Dass ich mit dem, was mir weh tut, mit meinem Schmerz und mit den wirren Gefühlen ernst genommen werde. Damit meine aufgescheuchte Seele wieder zur Ruhe kommt. Und ich den nächsten Schritt tun kann. Wenn ich Trost erfahre, kann ich sicher sein: der Heilige Geist ist nicht weit weg.

Musik   (instrumental)

Sprecherin:  (2. Strophe)
O heiliger Geist, o heiliger Gott, / gib uns die Lieb zu deinem Wort.
Zünd an in uns der Liebe Flamm, / danach zu lieben allesamt.
O heiliger Geist, o heiliger Gott.

Autor: Ich wünsche mir, dass die anderen liebevoll mit mir umgehen. Klar. Und doch weiß ich ja, dass ich selbst manches Mal nicht die Liebe habe, die ich mir von anderen wünsche. Wenn ich die Liebe nicht in mir spüre, so kann sie doch durch eine göttliche Kraft erweckt werden.

„Zünd an in uns der Liebe Flamm!“ – das ist daher eine Bitte, die ich von ganzem Herzen mitsprechen kann.

Choral (2. Strophe):
O Heiliger Geist, o heiliger Gott, / gib uns die Lieb’ zu deinem Wort;
zünd an in uns der Liebe Flamm, / danach zu lieben allesamt.
O Heiliger Geist, o heiliger Gott.

Autor: Sie ist mit Gold und Geld nicht aufzuwiegen; sie ist einfach  da. Als Geschenk, die Liebe. Aus ihr erwächst mir auch die innere Gewissheit „Ich bin geliebt“. Ich werde gemocht. So wie ich bin. Trotz meiner Macken, trotz meiner Lieblosigkeiten. Ja. Trotzdem und obwohl. Es ist, als sagte die Liebe „Dennoch!“

Oft lebe ich freilich einfach in dieser Gewissheit und setze sie offensichtlich stillschweigend voraus. Ich denke gar nicht darüber nach. Anders ist es, wenn ich selbstkritisch einen Schritt zurück trete. Dann erscheint die Liebe, die mir von anderen entgegengebracht wird, wieder neu als etwas besonders Wertvolles. Sie ist ein Wunder, die Liebe. Und ein Wunder, sage ich mir dann, das ist nun anerkanntermaßen etwas, das Gott bewirkt. Der Geist der Liebe wohnt unter uns. Freilich: dass ich die Dinge so sehen kann, das bewirkt natürlich mein Glaube.

Musik   (instrumental)

Sprecherin:  (3. Strophe)
O heiliger Geist, o heiliger Gott, / mehr unsren Glauben immerfort;
an Christus niemand glauben kann, / es sei denn durch dein’ Hilf getan.
O heiliger Geist, o heiliger Gott.

Autor: Mein Glaube, der ist für mich so etwas wie eine Sehhilfe. Er ist eine Brille, die mir eine neue, eine andere Sicht auf die Welt gibt. Aber, er ist keine rosa Brille, die die dunklen Seiten des Lebens schönfärbt. Darauf lege ich Wert!  Zugleich ist er eine Kraft, die mich antreibt, die mich in Bewegung setzt. Immer aufs Neue und immerfort.

Choral (3. Strophe):
O Heiliger Geist, o heiliger Gott, / mehr’ unsern Glauben immerfort;
an Christum niemand glauben kann, / es sei denn durch dein’ Hilf getan.
O Heiliger Geist, o heiliger Gott.

Autor: Also: Kein Glaube ohne den Heiligen Geist. Von ihm bekommt der Glaube seine Kraft. Er kann Berge versetzen, der Glaube! Er  hat in der Welt, wie sie nun einmal ist, vieles in Bewegung gebracht.

Der Glaube ist die Kraft, die Menschen in Bewegung setzt. Menschen, die sich selbst und die eigene Kraft einbringen und sich einmischen, wo es nötig ist.

Er ist so etwas wie ein Motor, eine Motivation. Ein Antrieb. Gäbe es die Kraft des Glaubens nicht, diese Welt sähe wohl sehr anders aus. Vieles, was Menschen aus der Kraft ihres Glau-bens bewirkt haben, wäre dann einfach nicht da. Es würde fehlen. Und das wäre schade.

Für die Religionskritischen unter Ihnen: mir ist gerade in diesem Zusammenhang der Unter-schied von Glaube und Religion sehr wichtig. Religion ist Menschenwerk. Deswegen kann sie sich auch negativ auf die Menschen auswirken. Der Glaube dagegen, der ist Gottes Werk. Darum ist er einfach immer gut.

Choral (4. Strophe):
O Heiliger Geist, o heiliger Gott, / erleucht uns durch dein göttlich’ Wort;
lehr uns den Vater kennen schon, / dazu auch seinen lieben Sohn.
O heiliger Geist, o heiliger Gott.

Autor: Gottes Wort fördert den Glauben. Es kann mir auf unterschiedliche Weise begegnen: im Got-tesdienst, während einer Predigt. Da merke ich: ich bin gemeint! Das ist für mich gesagt. Hier geht es um mein Leben.

Das Wort Gottes begegnet mir in der Bibel. Aber auch, wenn ich einen Roman lese oder ein Gedicht höre, das mich anrührt. Und es kann mir im Gespräch mit anderen Menschen begegnen. Was mir ein anderer Mensch sagt, der es gut mit mir meint, das kann nachhaltig wirken. Manchmal merke ich es erst im Nachhinein: da hat Gott durch diesen Menschen zu mir gesprochen. Da sind es dann Dinge, die ich gar nicht so gerne höre. Die ich lieber wegschiebe. Obwohl ich genau spüre: das ist die Wahrheit. Doch die tut ja bekanntlich manchmal weh!

Choral (6. Strophe):
O Heiliger Geist, o heiliger Gott, / verlass uns nicht in Not und Tod.
Wir sagen dir Lob, Ehr und Dank, / allzeit und unser Leben lang.
O Heiliger Geist, o heiliger Gott.

Autor: So sind wir am Ende unserer Reise durch den Choral angekommen. Auch in Not und Tod nicht allein und verlassen zu sein, das ist eine letzte Bitte an den Heiligen Geist. Den Geist Gottes. Mehr noch: es ist eben auch die Erfahrung vieler Menschen, die ihr Vertrauen auf Gott gesetzt haben. Dass Gott in Not und Tod auf wunderbare Weise bei uns ist.

Wenn ich auch nicht erklären kann, warum Gott das Leiden zulässt, so weiß ich auf der anderen Seite eines sicher: dort, wo wir selbst einem anderen Menschen beistehen in seinem Leiden, in Not und Tod, da wirkt Gott durch uns hindurch für diesen Menschen. Da ist Gott lebendig in dem, was wir tun. Da ist er ganz nahe bei uns, Gottes Heiliger Geist. Auch wenn wir es nicht begreifen können, manchmal spüren wir diese Kraft Gottes. Sie steht uns bei und tröstet uns. Sie ist gesandt von Gott, dem Vater, und von Jesus, dem Sohn.

Choral (1. Strophe):
du bist gesandt von’ s Himmels Thron / von Gott dem Vater und dem Sohn,
O Heiliger Geist, o heiliger Gott.

Das war Kirche in WDR 3 mit Pfarrer Frank Küchler aus Krefeld über den Choral „O Heiliger Geist, O Heiliger Gott“ –Evangelisches Gesangbuch Nummer 131. Es sang der Schwelmer Kammerchor unter der Leitung von Sabine Horstmann.

Audiobeitrag O Heiliger Geist, o heiliger Gott (eg 131)


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