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Versager?
Es gab Zeiten, da haben sich Menschen als Versager gefühlt, weil sie keine Arbeit hatten. Heutzutage fühlen sich sogar schon Menschen als Versager, die arbeiten gehen.
Das gibt es nicht? Anscheinend doch. In einer Fernsehsendung hat das jedenfalls ein Mann, er war vielleicht so um die 40 gesagt. Ich arbeite und arbeite und fühle mich trotzdem als Versager. Das Geld, das ich heimbringe, reicht nicht mehr für die Familie. Für das Nötigste, schon. Aber Urlaub oder Schullandheim für die Kinder, dafür langt es nicht mehr.
Und dabei arbeitet der Familienvater, der das in dem Interview sagt, in seinem Beruf, für den er drei Jahre gelernt hat. Er ist nicht arbeitslos, er jobbt auch nicht bloß.
Bin ich ein Versager? Wie viele fragen sich das wohl? Weil es ihnen ähnlich geht wie diesem Familienvater. Und ich frage mich, kann das ein gerechter Lohn für eine Arbeit, wenn sich jemand vor sich selbst und seiner Familie dafür als Versager fühlt? Da stimmt doch was nicht.
Wann ist ein Lohn gerecht? Diese Fragen sind sehr alt. Schon Menschen in der Bibel haben sich damit gequält. Die richtige Antwort darauf, ein für allemal, gibt es vermutlich auch nicht. Man muss sie immer wieder neu, aushandeln, erstreiten, was ein gerechter Lohn für Menschen ist. So dass sie und ihre Lieben davon leben können und sie sich selbst ins Gesicht sehen können.
In der Bibel erzählt Jesus eine Geschichte, die zeigt eine Richtung, was ein gerechter Lohn sein könnte und wer versagt, wenn das Geld aus Arbeit nicht mehr reicht zum Leben. Jesus erzählt in dieser Geschichte von Menschen, die Arbeit suchen. Ein Weinbergbesitzer stellt sie ein, als Tagelöhner. Die Arbeit reicht nicht für alle für den ganzen Tag. Einige kann er nur einen halben Tag beschäftigen, andere nur stundenweise. Trotzdem kriegen alle am Abend den vollen Tageslohn ausgezahlt. Die, die länger gearbeitet haben, meckern. Das ist kein gerechter Lohn, wenn alle das gleiche kriegen für unterschiedlich lange Arbeit, sagen sie. Das mag ja sein, sagt der Weingärtner, aber für mich wäre es eine viel größere Ungerechtigkeit, wenn ich euren Kollegen so wenig zahle, dass es für ihre Familien nicht zum Leben reicht und sie sich als Versager fühlen müssten?
Für mich stecken in dieser Geschichte drei Gedanken. 1) Wer arbeitet, soll sich nicht als Versager fühlen. Wer arbeitet ist kein Versager. Im Gegenteil, in der Bibel gehört Arbeit zum Menschen. Menschen, die arbeiten, die sind Mitschöpfer an Gottes Schöpfung.
2) Ein gerechter Lohn muss gewährleisten, dass Menschen davon leben und ihre Lieben versorgen können. Der Maßstab, was gerecht ist, den findet Jesus nicht abstrakt. Er stellt keine Rechenspiele an mit Lohntabellen. Er macht auch keine Leistungsmessung oder so was. Jesus findet den Maßstab für Gerechtigkeit einzig und allein in der Frage: Können Menschen leben, von dem was sie leisten. Und zwar nicht als Singles, sondern so, dass sie sich auch Beziehungen leisten können.
Der 3. Gedanken in dieser Geschichte: Funktioniert hat das Ganze, weil der Arbeitgeber das Wohl seiner Mitarbeiter und deren Familien auch zu seinem Maßstab gemacht hat. Dieser Arbeitgeber ist kein Versager, genauso wenig wie seine Mitarbeitenden.
Versager?
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