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Liebe lässt wachsen
Mit Liebe wachsen Pflanzen besser, behauptet meine Nachbarin steif und fest. Ich kenn mich da nicht so gut aus, aber wundern würde es mich nicht.
Liebe sorgt ja ganz oft im Leben dafür, dass was wächst. Sogar dafür, dass das Christentum gewachsen ist, war die Liebe wichtig. Am Anfang war es ja ein sehr kleines Pflänzchen. Es ist groß geworden, zum Glück auch durch Liebe. Das Christentum hat die Liebe vor 2000 Jahren nicht erfunden. Aber, es hat sie ausgeweitet, auch auf Fremde, sogar auf Feinde.
Bis dahin galt: lieben, das geht nur im Nahbereich, in der Familie. Für Christen gilt diese Begrenzung der Liebe nicht mehr. Wenn Gott alle liebt, müssen auch die, die an ihn glauben, sich daran orientieren. In einem Brief im Neuen Testament steht darum: Vor allen Dingen habt beständige Liebe. Die Liebe deckt auch der Sünden Menge.
Das Christentum hat Menschen angezogen, weil es die Liebe ausgeweitet hat. Es hat den Gedanken in die Welt gesetzt: Achtung, Fürsorge, Hilfe in Not, praktische Liebe gelten allen Menschen, ohne Grenzen. Diesen Gedanken brauchen wir bis heute. Gedacht, und gelebt.
Das ist nicht so leicht, ich weiß. Nicht einmal im Nahbereich. Die Gefühle der Liebe können verdorren in den Niederungen des Alltags. Und die Pflanze der Liebe wächst nicht mehr, sondern geht ein, manchmal wird sogar Gleichgültigkeit daraus oder Hass. Aber vielleicht kann es sogar dann helfen, wenn man sich an diesen Satz erinnert: Habt beständige Liebe. Die Liebe deckt auch Sünden. Aber ist das jetzt nicht völlig an der Wirklichkeit vorbei? Vielleicht doch nicht.
Ja, die frischen Gefühle der Liebe zwischen Menschen können vergehen. Und viele, die erleben, dass die Gefühle der Liebe unbeständig sind, denken auch die Liebe als solche ist unzuverlässig oder eine Täuschung. Und sie meinen, ohne Gefühle kann man doch auch nicht mehr liebevoll miteinander umgehen. Vielleicht aber doch: Wenn die Bibel beständige Liebe empfiehlt, heißt das nicht, dass die Gefühle füreinander immer gleich herzlich bleiben müssen. Gefühle kann man ja nicht verordnen. Aber achtsam und mit Respekt miteinander umgehen, auch wenn man sich verändert, das geht vielleicht doch. Und das ist auch beständige Liebe.
Die Liebe deckt Sünden. Das heißt nicht. Sie übersieht alles und ist blind. Aber Sünden decken kann bedeuten: Mann und Frau versuchen auch in einer verletzen Beziehung, sich nicht für erlittene Verletzungen zu rächen. Sie versuchen, es dem andern nicht heim zu zahlen. Den andern nicht fertig zu machen. Sie geben dem Hass nicht nach, den sie vielleicht spüren. Sondern versuchen jetzt erst recht vorsichtig miteinander zu sein. Bemühen sich, dass sie sich nicht mehr verletzen, als gut ist. Wenn die Gefühle der Liebe schon nicht beständig sind, ist es umso wichtiger, dass man praktisch und konkret liebevoll miteinander umgeht. Wenn zwischen Menschen so ein Grundbestand an Liebe bleibt, dann kann der eine den andern vielleicht sogar allein weiter leben lassen. Muss nicht versuchen, den anderen zu verletzen oder zur Strafe kaputt zu machen. Vielleicht kann man - mit einigem Abstand - auch einander vergeben und sich Gutes wünschen. Denn mit Liebe wachsen Pflanzen besser und Menschen auch.
Liebe lässt wachsen
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