Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

01.06.09, Pfarrer Wolf-Dieter Steinmann

Pfingsten - ein Fenster Gottes

Pfingsten habe ich lange ziemlich schwierig gefunden. Verstanden habe ich es, erst als ich bereit war, auch von den Alten zu lernen.

Ein ganz Alter aus dem Mittelalter hat mir Pfingsten näher gebracht. Wie das kam? Ich arbeite mit an einer kleinen Fernsehsendung. Dafür fahren wir durch das Land und filmen Kirchenfenster. Ich kann Ihnen das auch nur empfehlen: Wenn Sie bei einem Ausflug eine offene Kirche finden, schauen Sie ob sie Glasfenster hat. Vergessen Sie nicht, ein Fernglas mitzunehmen. Meistens hängen die Fensterschätze halt doch sehr hoch. Und wenn Sie mal nach Baden-Württemberg kommen, müssen Sie unbedingt auch ins Ulmer Münster schauen.

Dort hatte ich dann meine Begegnung mit Pfingsten. An einem Fenster, das fast 700 Jahre alt ist. Von Pfingsten erzählt nur eine kleine Scheibe. Aber die hat mir vier Dinge nah gebracht:

Das erste: 12 Menschen stehen auf dem Fenstern dicht gedrängt beieinander, so weit ist das nichts Besonders. So erzählt das die Bibel auch: Aber, hier sind es 11 Männer und eine Frau.

Im Vordergrund Petrus, logisch, dass er als Mann in der Kirche vorne dran steht. Aber, daneben, auf Augenhöhe zu ihm, Maria. Kirche ist eine Gemeinschaft von Männern und Frauen, sagt man heute. Und das hat der Glaskünstler schon im Mittelalter so gemalt, obwohl bei ihm das mit der Gleichberechtigung noch weit weg war. Aber so ist Kunst manchmal: Sie zeigt schon etwas, was erst später wirklich wird: Männer und Frauen brauchen einander in der Kirche, auf Augenhöhe. Eine Kirche, in der nicht auch Männer mit ihren Sorgen, Fragen und Fähigkeiten vorkommen, eine solche Kirche (da fehlt wohl was???)

Das zweite aus dem Ulmer Fenster, was mir eindrücklich geblieben ist. Über jeder der 12 Figuren malt der Künstler eine Flamme, klar: Gottes Geist hat sie erfasst. Aber interessant ist, wo das ganze spielt:

Es ist ganz normales bürgerliches Zimmer von damals, von der Decke hängt zB. eine Öllampe. Pfingsten findet im Alltag statt. Der Geist Gottes ist Alltagskraft, er kommt nicht in ein Kirchengebäude, sondern in eine Wohnung.

Und das dritte: Mich fasziniert an den Fenstern das Zusammenspiel von bemaltem Glas und Licht, das von draußen herein fällt. Die Fenster selber leuchten ja nicht. Trotz aller Farben. Zum Leuchten bringt sie erst das Licht von außen. Für die Glasmaler im Mittelalter hatte das einen tiefen Sinn. Was sie gemalt haben, wird für den Menschen, der sich das anschaut, erst wertvoll, wenn die Sonne darauf fällt. Ohne Licht bliebe alles grau. Sonne und Licht, das waren für sie Zeichen Gottes, genau wie die Taube ein Zeichen für Geist Gottes. Und die kommen von außen zu den Menschen.

„Der heilige Geist fuhr hernieder auf Jesus in leiblicher Gestalt wie eine Taube,“ heißt es bei Jesu Taufe in der Bibel oder in einem Psalm: „Gott ist mein Licht und mein Heil“.

Und das ist das vierte was mir dieses Fenster nah gebracht hat:  Es ist für mich wie ein Versprechen: Auch wenn es in der Welt oft finster und gewalttätig zugeht. Gottes Geist fällt immer wieder in sie hinein. Mitten hinein ins Leben. Gottes Geist kommt zu Menschen und in unsere Welt, die ja oft ganz schön grau ist. Er erneuert sie, renoviert sie, gibt ihr  neu Farbe.

Audiobeitrag Pfingsten - ein Fenster Gottes


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