Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

04.06.09, Pfarrer Joachim Gerhardt

Rosen regnen

Musik: Hildegard Knef I: A woman and a half (Track 20) LC 03708 | Hildegard Knef II: Aber schön war es doch (Track 1) LC 03708

Musik: Für mich solls rote Rosen regnen, mir sollten sämtliche Wunder begegnen … (Knef II, Track 1, 0:36-0:50)

Autor: Ich habe jahrelang gedacht, das Lied hieße: Für Dich solls rote Rosen regnen. So ein schön schmalziges Liebenslied für den Freund oder die Freundin. Ist es aber nicht. Die Rosen sind für einen selbst gedacht. Für mich soll es regnen. Ich bin es wert, beschenkt zu werden. So auch Hildegard Knef über ihren vielleicht größten Hit:

O-Ton Knef: Das habe ich einmal in einem Moment des absoluten Größenwahns geschrieben. Das ist ja ein wirklich hoch aggressives Lied. Ich will, und für mich soll´s rote Rosen regnen, was den anderen passiert, ist mir eigentlich so ziemlich egal. Und dann wurde es ein geradezu gigantischer Erfolg, mit dem ich niemals gerechnet hätte. (Knef I / Track 20, 0:03 – 0:20)

Autor: Die Rose als Zeichen der Selbstachtung. Auch Martin Luther hat die Rose zu seinem Symbol erklärt. Mit einem Abbild der Blume hat der Reformator sein Siegel geprägt. In einem Brief im Sommer 1530 schreibt Luther warum:

Sprecher: „Die Rose steht für den Glauben und gibt Freude, Trost und Frieden“.

Autor: Allerdings, Luthers Rose ist nicht rot, sondern weiß, aus guten Gründen:

Sprecher: Denn weiße Farbe ist der Geister und aller Engel Farbe. Solche Rose steht im himmelfarbenen Feld, dass solche Freude im Geist und Glauben ein Anfang ist der himmlischen Freude zukünftig.

Autor: Martin Luther hat Rosen geliebt, hat sich seine Rose auf Wappen und Briefpapier geprägt und damit täglich vor Augen gehabt. Vielleicht hat auch er sich gesagt:

Sprecher: Auch ich bin es wert, bin ich doch ein Ebenbild Gottes, mir täglich neu die schönste aller Blumen aus Gottes Garten schenken zu lassen.

Musik: Für mich soll´s rote Rosen regnen instrumental Knef I

Autor: Die Rose hat eine lange Geschichte in der Kirche. Das Paradies ist immer wieder als Rosengarten gemalt worden. Von Rosenhecken – übrigens oft roten und weißen Rosen – umzäunt. Die Rose ist die Blume der Maria. Daher der Rosenkranz in der katholischen Kirche. Still und andächtig macht sie und lädt ein nachzudenken, was im Leben wirklich wichtig ist. Ihre Pracht hat Menschen – so wie dem Reformator Martin Luther – Mut gemacht, die Welt um sich herum zu verändern:

Musik: Für mich soll´s rote Rosen regnen. Mir sollten ganz neue Wunder begegnen. Mich fern vom alten neu entfalten, von dem, was erwartet, das meiste halten. Knef II

Autor: Mein Tipp für Sie: Kaufen Sie sich eine Rose. Oder noch schöner: Lassen Sie sich eine schenken. Als Zeichen dafür, dass Sie es wert sind, zu leben. Und dass das Leben wert ist, gestaltet zu werden. Und wer weiß, welches Wunder in Gottes Namen dann noch aufblüht.

Audiobeitrag Rosen regnen


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