Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

05.06.09, Gernot Hoersch

Die Schnitzeljagd

Als ich 15 war, da war ich mit meiner Kirchengemeinde auf einer Sommerfreizeit in Schweden. Wir hatten da ein tolles großes, altes Haus.

Es sah ein bisschen aus wie die Villa Kunterbunt. An einem der ersten Tage haben wir da eine Schnitzel-Jagd gemacht. Wir wurden in den Wald geschickt, an einem See vorbei  und über Schotterwege. Wir waren dann schon lange unterwegs und kamen dann an die letzte Station. Da war der Betreuer, der Volkmar, der hat uns eine Aufgabe gestellt und sagte: Jetzt zeigt mir doch  mal, in welcher Himmelsrichtung liegt das Haus?

Wir: Keine Ahnung. Ich habe nach links gezeigt, mein Kumpel hat nach rechts gezeigt. Und jeder aus der Gruppe hat irgendwo woanders hingezeigt.

Da sagte er: Okay. Was meint  ihr denn, wie weit das noch bis dahin ist? Wir sagten: Wir sind jetzt schon 1,5 Stunden unterwegs und dann müssen wir bestimmt noch 1,5 Stunden zurücklaufen. Und wir haben angefangen zu motzen, wir hatten keine Lust mehr zu laufen.

Da sagte er: Alles klar. Ist notiert. Dann geht doch bitte mal den Weg entlang und schaut mal. Dann sind wir auf den Weg, kommen um die Ecke. Zack. Und sehen:  in 500 Meter entfernt steht unser Haus.

An diese Schnitzeljagd denke ich mich immer, wenn ich im Leben das Gefühl habe, die Orientierung zu verlieren. Wenn alles so gleich aussieht,  ich meinen Weg nicht finde, bzw. der so beschwerlich ist, ich gar nicht so genau weiss, wohin ich hin will. Und ich kurz davor bin aufzugeben. Doch dann erinnere mich und gehe weiter. Denn das Ziel kann ja schon hinter der nächsten Kurve liegen.  

Sprecher: Gernot Hoersch

Audiobeitrag Die Schnitzeljagd


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