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Zurück in den Garten
Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,in der Geschichte vom Paradies hat mich eine Einzelheit immer schon fasziniert. Gott geht im Garten umher, als es kühl wird.
Ich finde es schön, mir Gott beim Spazierengehen vorzustellen. Gott liebt offenbar den Garten, den er angelegt hat. Er fühlt sich mit seiner Schöpfung so verbunden, dass er sie gerne betrachtet: die Baumwurzeln, die Hibiskusblüte, den Zitronenfalter. Er sucht Entspannung und findet sie, wenn der Abendwind durch den Garten streicht. Der Gott der Bibel versteht es zu genießen, und das nicht nur am Feiertag. An jedem Tag gönnt er sich ein Stück vom Paradies und etwas Geselligkeit. Denn während er durch den Garten geht, hofft er, auf einen Menschen zu treffen.
Einmal aber trifft er niemanden an. Sie haben sich versteckt. Aus gutem Grund, möchte man meinen. Sie überschreiten die von Gott gesetzte Grenze. Sie nehmen sich heraus, selber über gut und böse zu entscheiden. Das Vertrauen zwischen Mensch und Gott zerbricht. Da beschließt Gott, die Menschen vor die Tür zu setzen. Ihm reicht es. Womöglich greifen sie sonst noch nach dem ewigen Leben. Damit würden sie sich endgültig an die Stelle Gottes setzen. Das kann er nicht dulden. Gott stellt Engel als Wächter vor das Paradies. Mit ihrem flammenden, blitzenden Schwert versperren sie den Rückweg.
Jenseits von Eden leben Adam und Eva unter Bedingungen, die auch wir kennen. Die Arbeit macht nicht nur Freude. Sie kostet auch Schweiß und Tränen. Die Natur kann zum Feind des Menschen werden. Und der Mensch zum Feind der Natur. Mann und Frau entfremden sich. Sehnsucht nach Nähe bleibt unerfüllt. Ein Geschlecht herrscht über das andere. Schwangerschaft und Geburt gefährden die Frauen. Am Ende wartet der Tod auf Mann und Frau: Du bist Erde und sollst zu Erde werden.
So hat Gott das Leben nicht gewollt. Aber so ist es nun geworden. Die Wende bringt Gott, als er selber die Menschen jenseits von Eden aufsucht. In einem kleinen Nest in Galiläa wächst Jesus auf. Er sieht, wie die Familien im Schweiße ihres Angesichts ihr Brot essen. Da lässt er sie teilhaben an der paradiesischen Sorglosigkeit der Vögel und der Lilien. Er sagt ihnen: Sorget nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Frauen von zweifelhaftem Ruf holt Jesus aus dem gesellschaftlichen Abseits. Maria aus Magdala bezeugt als eine der ersten seine Auferweckung. Sein Kreuz wird zum Baum des Lebens. Einem, der neben ihm mit dem Tod ringt, sagt er: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.
Seitdem erzählen Christen hoffnungsvoll vom Paradies. Eine, die uns einen Blick durch das Tor werfen lässt, ist Marie Luise Kaschnitz.
Was wird aus uns, fragte Adam und stützte seinen Kopf auf die Hand. Wir bleiben zusammen, sagte Eva. Wir gehen zurück in den Garten. Und sie legte ihre Arme um Adams Hals und sah ihn liebevoll an. Ist er denn noch da? fragte Adam erstaunt. Gewiss, sagte Eva. Woher meinst du, fragte Eva, dass ich die Reben hatte, die ich dir gebracht habe, und woher meinst du, dass ich die Zwiebel der Feuerlilie hatte, und woher meinst du, hatte ich den schönen funkelnden Stein? Woher hattest du das alles? fragte Adam. Die Engel, sagte Eva, haben es mir über die Mauer geworfen. Wenn wir kommen, rufe ich die Engel, und dann öffnen sie mir das Tor. Adam schüttelte langsam den Kopf, weil eine ferne und dunkle Erinnerung ihn überkam. Gerade dir, sagte er. Aber dann fing er an zu lachen, laut und herzlich, zum ersten mal seit, ach wie langer Zeit.
Zitat: Schenk dir Zeit, hg. von Christiane Olbrich, Evangelischer Presseverband für Baden e.V. Karlsruhe
Zurück in den Garten
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