Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

23.05.09, Pfarrer Dietmar Silbersiepe

Hoffnung die euch treibt

Morgen geht er mit einem Abschlussgottesdienst zu Ende, der 32. Deutsche Evangelische Kirchentag. „Mensch, wo bist du?“ lautete das biblische Motto.

Über hunderttausend Menschen sind dem Ruf nach Bremen zu dem fünftägigen großen Fest des Glaubens gefolgt.

Ein Fazit lässt sich schon jetzt ziehen: Die Zeichen stehen wieder mehr auf Hoffnung, jedenfalls in der Kirche. Bei aller notwendigen nüchternen Analyse der Probleme im Großen wie im Kleinen, die Hoffnung lassen wir uns nicht nehmen, erst recht nicht wir Christen.

„Seid jederzeit bereit, allen Rede und Antwort zu stehen, die von euch Rechenschaft verlangen über die Hoffnung, die euch treibt“. Das forderte einst der Apostel Petrus von den ersten Christen. Der morgige Schlussgottesdienst fordert die heutigen Christen auf, ebenso Rede und Antwort zu stehen und es allen zu sagen, die es hören wollen: Was treibt euch an? Was motiviert euch, was macht euch Hoffnung?

Am besten wir legen uns ein Tagebuch der Hoffnung an. Dahinein können wir – über den Kirchentag hinaus – täglich schreiben, was uns Anlass gibt, zu hoffen. Mein Hoffnungstagebuch sieht im Moment so aus:

Hunderte von Menschen sind ganz bei der Sache auf dem Kirchentag in Bremen. Sie diskutieren mutig und engagiert über die Frage: Wo bleibt die Menschenwürde in unserer Konkurrenz-Gesellschaft und in der globalisierten Welt? In einer Welt, in der die wenigen Reichen immer reicher werden und die vielen Armen immer ärmer. Keine Spur von Politikverdrossenheit bei den Christen.

Und weiter: Fast ein Drittel der Kirchentagsbesucher sind Jugendliche. Die sich nicht nur auf Popkonzerten tummeln, sondern engagiert und ernsthaft der Frage nachgehen: Wie müssen wir unseren Lebensstil ändern, damit auch die kommenden Generationen noch Luft zum Atmen und sauberes Wasser haben? Keine Spur von: Die Jugend interessiert sich ja doch nur für Klingeltöne und Markenklamotten.

Ein weiteres Hoffnungszeichen ist für mich die fröhliche entspannte Gelassenheit beim Abendsegen auf dem Feuerschiff Elbe 3 im Bremer Europahafen. Jemand zitiert aus der Bibel: „Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach Gottes Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt“. Keine Spur von Resignation oder „nach uns die Sintflut“. Stattdessen: „Vor uns die neue Welt Gottes“, für die wir uns heute ins Zeug legen.

„Mensch, wo bist du?“ „Mensch, wo wirst du am Montag sein?“ Sicher wieder in Deinem Alltag zu Hause. Wo man von solchen Erlebnissen, wie denen des Kirchentages, noch eine ganze Weile zehren kann. Und wo wir hoffentlich Gründe genug finden, unsere Tagebücher der Hoffnung weiter zu schreiben. Bis zum nächsten großen Fest des Glaubens 2010 in München, dem zweiten ökumenischen Kirchentag. Dort werden dann Protestanten und Katholiken gemeinsam diskutieren und feiern - unter dem Motto: „Damit ihr Hoffnung habt“.

Audiobeitrag Hoffnung die euch treibt


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